Magdeburg hat dem Kanzler gestern nicht den roten Teppich ausgerollt, sondern den Spiegel hingestellt. Als Friedrich Merz zum Gedenken an den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auftauchte, kam aus der Menge das, was man in Berlin sonst nur als „Stimmung“ abtut: „Hau ab“, „Pfui“ und der Satz, der jede Inszenierung zerlegt: „Lauf weiter, wir wollen dich hier nicht.“
Der Anlass ist nicht irgendein Termin im Kalender, sondern ein Massaker, das sich eingebrannt hat. Am 20. Dezember 2024 raste Taleb al Abdulmohsen mit einem gemieteten BMW über den Weihnachtsmarkt. Ein neunjähriger Junge und fünf Frauen zwischen 45 und 75 Jahren starben. 309 Menschen wurden verletzt, teilweise lebensgefährlich. Was die Bild über den Prozess berichtet, die Zeugenaussagen, die Schilderungen der Folgen ein Jahr nach dem Anschlag der Hinterbliebenen, der Betroffenen, sollte sich jeder einmal ganz genau durchlesen, um das Leid, um den Zorn, um das Befinden der Magdeburger zu begreifen.
Und dann läuft das wieder bewährte Programm an, das in Deutschland nach jeder solchen Tat zuverlässig abgespult wird. Politiker reisen an, die den Menschen im Land diese Zustände eingebrockt haben und einen Teufel tun, diese Zustände zum Besseren zu verändern, sondern sie im Gegenteil immer weiter verschärfen, Jahr um Jahr. Sie reisen in gepanzerten Limousinen an, nicht in einer S-Bahn oder per Bus. Sie sind umgeben von einem Tross an Securities, anders trauen sie sich nicht mehr unter ihr Volk, die sich kein normaler Mensch leisten kann. Sie schweben herein, umgeben von Kameras der Öffentlich Rechtlichen und der gewogenen Begleitpresse, erzählen etwas von Betroffenheit und schweben wieder raus. So wiederholt sich dieses unwürdige Schauspiel seit vielen Jahren immer wieder. Und die Menschen sind es müde. Sie sind dem überdrüssig. Ihresgleichen wird in Momenten ausgelassener Heiterkeit auf Weihnachtsmärkten umgemäht oder auf Festen der Vielfalt wie in Solingen und anderen Volksfesten regelrecht abgeschlachtet.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











