Am Ende war Donald Trumps Drohung, den Export von Diesel zu untersagen, wohl doch glaubwürdig. Angesichts rasch steigender Preise an den Zapfsäulen und einer sich abzeichnenden akuten Knappheit bei den Mitteldestillaten, vom Diesel über Heizöl bis hin zu Flugzeugkerosin, entschieden sich die Regierungschefs der G7-Staaten auf Druck des US-Präsidenten am Freitag dazu, eigene Ölreserven freizugeben.
Für die EU braut sich der perfekte Sturm zusammen: Ein steigender Dollarpreis, die sichtbare Kontrolle der Straße von Hormus durch das US-Militär sowie steigende Zinsen an den Anleihemärkten angesichts einer drohenden Staatsschuldenkrise machten den Druck vor allen Dingen auf die EU-Staaten spürbar: Weiter steigende Energiepreise werden die fragile Euro-Industrie wesentlich härter treffen als die im Wesentlichen energieautark agierenden USA.
Fehlkalkulation türmt sich auf Fehlkalkulation. In Brüssel, Berlin und Paris hatte man darauf gesetzt, dass die Amerikaner den Löwenanteil schultern werden, einen Regime Change in Moskau zu erzwingen – günstiger Zugang zu Energie und Ressourcen des Landes, möglicherweise Verhandlungs- und Preissetzungsmacht, sind inzwischen unverzichtbar geworden, um das Wirtschaftsmodell der EU am Leben zu halten. Die Energiekosten müssen runter, so schnell wie möglich. Von Washington über Brüssel, von Moskau bis nach Peking, wissen sie alle um die strategische Hoffnungslosigkeit der EU-Europäer. Im Falle Russlands erntete man anstelle eines Triumphes zuletzt die Zerstörung russischer Raffineriekapazitäten, ausgerechnet durch den Partner Ukraine – der nächste Nackenschlag angesichts der Energieprobleme der EU.
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