Die Fußball-WM entwickelt sich zu einer Gruppentherapie für Fußball-Großmächte. Brasilien sitzt bereits auf der Couch. Spanien kaut nervös an den Fingernägeln. Und der eingekaufte italienische Trainer der brasilianischen Seleção, Carlo Ancelotti, schaut drein, als hätte ihm jemand heimlich den Espresso entkoffeiniert.
Dabei war der Plan doch so einfach. Brasilien wollte sich den sechsten Stern quasi mit Champions-League-Erfahrung einkaufen. Wenn einer weiß, wie man Pokale stapelt wie andere Leute Getränkekisten, dann Carlo Ancelotti. Fünfmal Champions-League-Sieger.
Ein wandelndes Fußball-Museum. Ein Mann, dessen Visitenkarte eigentlich einen eigenen Trophäenschrank braucht. Doch plötzlich stand da Marokko. 1:1. Und die Seleção lief herum wie ein Samba-Orchester, das unterwegs die Noten verloren hat. Viel Rhythmus. Wenig Musik. Viel Ballbesitz, zwar, aber wenig Glück.
Derweil schaute die Heimat zu. 220 Millionen Nationaltrainer. 220 Millionen Therapeuten. 220 Millionen Menschen mit der negativen Diagnose: „So werden wir nie Weltmeister.“ In Brasilien ist der Fußball viel mehr als Religion, er ist Kult.
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