Die Wiener Integrationsforscherin Judith Kohlenberger hält die Anforderungen an Deutschkenntnisse für überzogen. In einem Interview mit Die Presse sprach sie von einer „Fetischisierung der Landessprache“ und forderte, Betriebe stärker zu unterstützen, die Flüchtlinge einstellen – notfalls auch dann, wenn diese kein ausreichendes Deutsch sprechen. Englisch reiche im Niedriglohnsektor oft aus, so Kohlenberger.
Die Forscherin verweist auf Skandinavien, wo Filme nicht synchronisiert werden und Englisch im Alltag verbreiteter ist. Dort hätten Ukrainerinnen „schneller Fuß gefasst“. Österreich sei dagegen zu sehr auf seine Landessprachen fixiert.
Kohlenberger hat sich in den vergangenen Jahren als Stimme der akademischen Migrationsforschung profiliert. In ihrem Essay „Migrationspanik. Wie Abschottungspolitik die autoritäre Wende befördert“ kritisiert sie die vermeintlichen Parteien der Mitte dafür, Positionen der Rechten übernommen zu haben, denn sie wären der Meinung gewesen, „man könnte damit den Rechten das Wasser abgraben, indem man diese Positionen übernimmt. Und tatsächlich hat man sie salonfähig gemacht.“ Das gesamte politische Spektrum habe sich „stark nach rechts verschoben“.
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