„Fahnengate“: Landesfarben unerwünscht

vor 2 Monaten

„Fahnengate“: Landesfarben unerwünscht
Bildquelle: Tichys Einblick

Nach wie unvergessen: Das Sommermärchen von 2006. Gelöste Stimmung, Freundlichkeit, Offenheit, weder piefig noch grantig: Deutschland präsentierte sich der Welt als Gastgeber, der negative „typisch deutsche“ Stereotype so gar nicht bediente.

Verbunden war dies mit einem wichtigen psychologischen Effekt für die Deutschen selbst: Sie durften feststellen, dass sie und ihr Land liebenswert sind. Eine Botschaft, die für die Angehörigen der meisten anderen Nationen selbstverständlich ist, in Deutschland aber ein Politikum. Und so bleibt 2006 untrennbar verbunden mit der Erinnerung an ein schwarz-rot-goldenes Flaggenmeer – die Landesfarben, einmal nicht staatstragend feierlich und schwermütig, sondern als Zeichen der Ausgelassenheit und Freude.

Tempi passati. Schon zehn Jahre später, zur EM 2016 in Frankreich, hatte sich die Stimmung gewendet. Da zogen – nicht zum ersten Mal – selbsternannte Faschismusbekämpfer durch die Straßen und entfernten an Autos angebrachte Deutschlandflaggen. Stattdessen fanden die Besitzer bei ihrer Rückkehr Mahnbriefchen vor: „Liebe Autofahrerin, lieber Autofahrer. Ich habe Ihre Nationalfahne entfernt. Egal aus welcher Motivation Sie diese Fahne angebracht haben, sie produziert in jedem Fall Nationalismus. Diese Fahne steht nicht für Fußball oder irgendein Team, sondern für Deutsche Identität.“

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