„Es ist mir egal, ‚umstritten‘ zu sein“

vor 9 Monaten

„Es ist mir egal, ‚umstritten‘ zu sein“
Bildquelle: Tichys Einblick

Tichys Einblick: Durchlaucht, gleich zu Beginn Ihres Buchs sprechen Sie von „Minenfeldern“, die Sie betreten. Und das tun Sie dann reichlich: Skepsis gegenüber der grenzenlosen Masseneinwanderung, Spott über die Gendersprache, dafür Lob für Familie, Tradition und Glauben. Kehren Sie damit zu ihrer Punk-Vergangenheit zurück? Sie schockieren wieder einmal viele Leute in den tonangebenden Kreisen.

Gloria von Thurn und Taxis: Der Gezeitenwechsel hat bereits stattgefunden. Aber die tonangebenden Kreise in Deutschland brauchen eben etwas länger, um das zu bemerken. Gemerkt haben es aber bereits diejenigen, die auf Sponsorengelder für woke oder andere bunte Veranstaltungen angewiesen sind. Wenn man mit gesundem Menschenverstand schockieren kann, ist das doch ein guter Indikator dafür, dass wir uns in einer schweren Schieflage befinden.

Johnny Rotten, legendärer Frontmann der Sex Pistols, meint, rechts sei der neue Punk. In London organisiert heute Matthew Glamorre, ein Veteran der Clubszene, der unter anderen mit Blur zusammenarbeitete, die Partys der als rechts verschrienen ARC-Konferenz von Jordan Peterson. Ist das nur eine Episode – oder ein „vibe shift“, ein grundsätzlicher Stimmungswandel?

Der Stimmungswandel ist da, weil die jüngere Generation immer anders tickt als die ältere. Das, was die Grünen und Linken wollen, ist für die junge Generation nur so lange akzeptabel, wie genug Geld im Portemonnaie ist, um sich jederzeit eine x-beliebige Lebensform auszusuchen. Wenn aber das Geld knapp wird, dann gibt es keine Auswahlmöglichkeit mehr – sondern man wird gezwungen, so zu leben, wie es der Geldbeutel hergibt. Dass die Politik der älteren linken Politikvertreter ins Armenhaus führt, merken die jüngeren Menschen jetzt allmählich.

Als wichtige Eigenschaft erwähnen Sie in Ihrem Buch Contenance. Sie gelten ja schon seit Jahren als „umstritten“; es gab wiederholt Aufrufe, das Schlossfestival in Regensburg zu boykottieren – und dieses Jahr ganz besondere Aufregung. Wie reagieren Sie darauf?

Und was die Aufregung um die Schlossfestspiele in Regensburg betrifft: Die nehme ich hin wie das Wetter. Denjenigen, die immer mal wieder zum Boykott aufrufen, ist offensichtlich nicht klar, dass sie dann, wenn es die Festspiele nicht mehr gäbe, nicht dem Haus Thurn und Taxis etwas wegnehmen würden, sondern Tausenden Musikbegeisterten. Ich finde es auch bezeichnend, dass viele Medien der kleinen Zahl von Protestieren und Boykottforderern sehr viel mehr Aufmerksamkeit schenken als 3000 Gästen.

Und was das „umstritten“ angeht: Kennen Sie einen Menschen, der interessant und gleichzeitig nicht umstritten wäre? Es macht mir überhaupt nichts aus, „umstritten“ zu sein. Aus dem Mund bestimmter Leute ist das eher eine Auszeichnung. Deshalb heißt mein Buch ja auch „Lieber unerhört als ungehört“.

Einen guten Teil Ihres Buchs widmen Sie dem Thema Familie – Ihrer eigenen, aber auch der Bedeutung von Familie generell. Wie sind Sie durch Ihre Familie geprägt worden?

Die Familie ist der Kern, die Wurzel der Gesellschaft. Sie zu dekonstruieren bedeutet nichts weniger als Selbstzerstörung. Das Glück, Vater, Mutter und ein normales Familienleben gehabt zu haben, verdanke ich Gott. Familie, Eltern und Kinder zu haben bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und für sie da zu sein. Das ist eine schöne Aufgabe. Sie kostet Mühe, aber man wird belohnt.

Welche Erfahrungen verbinden Sie mit Ihrer Herkunft?

Wir waren eine glückliche Familie, obwohl meine Eltern Vertreibung und Enteignung erlebten. Mein Vater, Joachim Graf von Schönburg-Glauchau, musste 1945 mit 16 Jahren auf einer Kutsche mit seiner Mutter und seinen sechs Geschwistern vor der Roten Armee fliehen und allen Besitz zurücklassen. Meine Mutter dufte als adlige Klassenfeindin im kommunistischen Ungarn nicht studieren. Auch sie musste aus der Heimat fliehen. Ich schildere in dem Buch diese Geschichte auch deshalb, weil viele automatisch „Adel“ mit „reich geboren“ assoziieren. Meine Eltern kamen mittellos in den Westen. Ich habe mir als Jugendliche das Geld für mein Moped mit Kirschenpflücken verdient. Aber das war gut so: Wirtschaftliches Denken habe ich früh gelernt.

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