Gerade empörten sich die digitale Gemeinde, Eltern und Politik über eine Schule in NRW, auf der zweifelhaftes Material im Sexualkundeunterricht benutzt wurde, unter anderem habe die Unterrichtseinheit „Ein Puff für Alle“ auf dem Lehrplan gestanden. Kinder ab 14 Jahren sollten also ein Bordell zusammenstellen, in dessen Zimmern diverse sexuelle Spielarten angeboten werden.
Tatsächlich kursieren diese Materialien seit mindestens 14 Jahren in deutschen Schulen. Das entsprechende Lehrbuch von Frau Prof. Tuider stammt aus dem Jahr 2008 (!) und stand zeitweise gar auf der Empfehlungsliste der Bildungsministerien. Tuider lehrt heute als Professorin an der Universität Kassel, wo sie das Fachgebiet Soziologie der Diversität unter besonderer Berücksichtigung der Dimension Gender leitet und zu Queer Studies und den Postcolonial Studies veröffentlicht.
Man bekommt dann, was man bestellt hat. Als ich im Jahr 2014 in meinem ganz fantastischen Bestseller „Gendergaga“ im gleichnamigen Kapitel „Ein Puff für Alle“ die Problematiken der neuen deutschen Sexualpädagogik der Vielfalt anschaulich mit zahlreichen Beispielen veröffentlichte, warf man mir einst wahlweise Homohass oder Polemik vor und weitere übliche Stigmatisierungen für jene, die es nicht für pädagogisch wertvoll halten, Kindergartenkindern schon Sexualpraktiken aus dem Dark Room linker Kinderfreunde zu erklären.
An dieser Stelle also aus aktuellem Anlass einmal die Passagen aus meinem Buch Gendergaga. Aus dem Jahr 2014, wohlgemerkt. Man konnte damals schon wissen, was in deutschen Schulen geschieht und was von den Bildungsministerien aller Parteien nicht nur nicht gestoppt, sondern auch noch finanziell gefördert wurde. Der „Puff für Alle“ ist dabei noch nicht einmal das Schlimmste.
Lesen Sie hier die besagte Passagen:
Gendergerechtes Spielen reicht nicht aus, um Kinder auf die richtige Spur zu bringen, da muss man schon ein bisschen mehr tun, damit sie gleich mit einem toleranten Verständnis zur Geschlechterwelt groß werden. Kampfbegriff hierfür ist die „sexuelle Vielfalt“.
Vielfalt, das klingt sympathisch, weltoffen und tolerant. Doch merke: Überall, wo sexuelle Vielfalt draufsteht, ist das verqueere Gender drin. Damit kein Kind durch die Lappen geht, gibt es nur einen Weg, diese sexuelle Vielfalt flächendeckend im Land an jedes Kind heranzutragen: die Schule. Dank der Schulpflicht wird dort jedes Kind erreicht, und was aus der Genderperspektive noch viel besser ist: Die Eltern bleiben außen vor. Herrlich!
Eltern, das sind doch diese heterosexuellen, zwangsdeterminierten Störenfriede, die in der Regel in unterdrückenden Zweierbeziehungen leben, auch „Ehe“ genannt. Eltern, diese verklemmten Spießer, die ihren Kindern eine ordentliche Aufklärung in Sachen Sex verweigern. Weiß man doch! Wie soll sich ein Kind da sexuell entfalten und all seine vielen möglichen Geschlechter entdecken oder gar ausprobieren, wenn Elternhäuser mit Erziehung, Moral, Anstand oder gar Kirche um die Ecke kommen? Eltern sind aus der Gender-Perspektive also Verhinderer Nummer 1 für eine flächendeckende Sexualaufklärung jenseits von Bienchen und Blümchen, Störfaktoren bei der sexuellen Entfaltung ihrer Kinder.
Und wie man hört, beharren manche von ihnen tatsächlich immer noch auf ihrem elterlichen Erziehungsrecht. Das kann man ihnen nicht so einfach nehmen, weil es dummerweise im Grundgesetz garantiert wird. Eifrige Sexualaufklärer haben also eine ganz andere Strategie entwickelt, um an den Eltern vorbeizukommen: Sexuelle Vielfalt wird neuerdings einfach zur Allgemeinbildung erhoben. Sex als Kernkompetenz! Man schreibt es in den Lehrplan, verbreitet passendes Lehrmaterial und schon wird aus Sex Bildung. Wollten wir nicht alle schon immer mal alles über Sex wissen und haben uns bloß nicht zu fragen getraut? Eben!
Und so tobt 2012 im beschaulichen Baden-Württemberg ein mittlerer Kulturkampf um die Frage, ob die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ fächerübergreifend in den Lehrplan aufgenommen werden soll. Die grün-rote Landesregierung will es, die Eltern haben mit fast 200.000 Unterschriften und in zahlreichen Demos dagegen protestiert. Nun haben sich zwar gerade die Grünen immer für Bürgerbeteiligung in der Politik stark gemacht, aber bitteschön nur, wenn es die richtigen Bürger sind, mit den richtigen Themen und der richtigen Gesinnung. Also, wenn wir zum Beispiel für mehr Froschzäune an Bundesstraßen, gegen Bahnhöfe in Stuttgart oder für den Veggie-Day an Ganztagsschulen eintreten würden, könnten wir wohl auf die volle Unterstützung der Grünen zählen. Aber nicht, wenn es um die sexuelle Vielfalt unserer Kinder geht.
Die Fronten in Baden-Württemberg wurden nach den ersten Elternprotesten gleich nach bislang erfolgreichem Schema festgenagelt: Die Guten waren selbstredend die Befürworter des neuen Bildungsplans. Weltoffen, tolerant und ganz sicher sexuell vielfältig. Die Bösen waren die Unterzeichner der Petition gegen den Bildungsplan, die Demonstranten, die Eltern, auch bekannt als Fundamentalisten, Toleranzgegner, Christen, Homophobe und irgendwie auch Rechtsradikale. Ja, das sollte als Stigmata ausreichen.
Bislang ging die Rechnung ja auch immer auf, alle Gender-Gegner in die gesellschaftliche Strafecke zu verbannen. Da wurde blumig über Toleranz schwadroniert, die die einen üben wollen, die anderen aber angeblich verweigern. Herrlich auch die Verrenkungen, die manche machten, um die Begriffe „Toleranz“ und „Akzeptanz“ in einen Topf zu werfen. Der Bildungsplan in Baden-Württemberg sah nämlich nicht „Toleranz“ sexueller Vielfalt als Bildungsziel vor, sondern „Akzeptanz“.
Toleranz war gestern! Es reicht den Gender-Aktivisten nicht, dass wir still hinnehmen, dulden, also „tolerieren“, dass manche anders sind oder sein wollen – nein, unsere Kinder müssen die Seite wechseln, gut finden, das Konzept der sexuellen Vielfalt „akzeptieren“. Also Gesinnungsunterricht par excellence. Und zwar nicht nur im Sexualkundeunterricht, sondern fächerübergreifend. Sowas muss man sich erstmal ausdenken.
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