Selbstwahrnehmung und Realität, Anspruch und Wirklichkeit dieser schwarz-roten Koalition klaffen kilometerweit auseinander. Markus Söder beschwört das CDU/CSU-SPD-Bündnis als „die letzte Patrone“ der Demokratie. Friedrich Merz sieht seine Koalition als den letzten Sicherheitsanker Europas, ja des Westens insgesamt.
„Unsere Aufgabe in der nächsten Legislatur ist ganz klar – manche sagen sogar, das sei unsere letzte Chance – wir müssen das Vertrauen in die Demokratie wiedererlangen, erneuern und ihre Feinde zurückdrängen“, sagte die damalige SPD-Chefin Saskia Esken zu Beginn der Regierungszusammenarbeit. Und laut der SPD-Bundestagsabgeordneten Lucia Schanbacher dürfte die schwarz-rote Koalition die „letzte Chance sein“, die Arbeitsfähigkeit der „demokratischen Parteien“, wie sie sagt, „unter Beweis zu stellen.“
Diese Selbstwahrnehmung, die tendenziell immer zwischen größenwahnsinnig und lächerlich schwankte, ist durch die Realität natürlich kaum gedeckt. Und: Offenbar glauben Union und SPD selbst nicht mehr, was sie an Floskeln zur Rechtfertigung ihrer kopflosen Koalition in den Äther geblasen haben.
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