Der Brückenbauer: Papst Leo XIV.

vor 9 Monaten

Der Brückenbauer: Papst Leo XIV.
Bildquelle: Tichys Einblick

Als Robert Francis Prevost am 8. Mai 2025 die Benediktionsloggia des Petersdoms betrat, mit einem gerührten, gütigen Lächeln, aber sichtlich nervös, war die Überraschung groß: Niemand hatte mit dem Augustiner gerechnet, und nicht wenige fragten, wer das überhaupt sei, dieser erste US-Amerikaner auf dem Papstthron – und das, obwohl er als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe ein hohes Amt in der Kurie innehatte.

Das Oberhaupt des kleinsten Staates und der größten Kirche der Welt weckt naturgemäß großes Interesse. Doch an dieser Stelle fordert die digitale Kommunikationsgesellschaft ihren Preis: Sie lässt uns immer weniger Zeit, Ereignisse auf uns wirken zu lassen, und Entwicklungen zu beobachten, bevor Meinungen vorgelegt, Analysen und Prognosen erstellt werden.

So überschlagen sich immer noch Vermutungen über das Wesen und die Agenda des neuen Papstes, jede Geste, jedes Wort wird gleichsam auf die sozialmediale Goldwaage gelegt und auf seine Motivation, Bedeutung und Wirkung hin abgeklopft – umso mehr, da Franziskus eine tief gespaltene Kirche und ein schwieriges, inkonsistentes Erbe hinterlassen hat, während sie global vor vielerlei Herausforderungen steht: Da sind technologische und weltanschauliche Entwicklungen, namentlich etwa KI und Transhumanismus, denen gegenüber der Mathematiker und Philosoph Prevost denkerisch und fachlich kompetent erscheint. Da sind auch Krisenherde und Kriege, zunehmende Intoleranz, grassierende Christenverfolgung aber auch eine Rückkehr der Religiosität und die Frage, wo sich Religion zwischen polarisierten politischen Strömungen zu positionieren hat.

An Leo XIV. richten sich also große Erwartungen, die unterschiedliche kirchliche Lager, aber auch die säkulare Öffentlichkeit hegen.

Mit seiner Papstbiografie legt Michael Hesemann ein Buch vor, das die Neugier auf Leo XIV. stillen soll – und das gerade einmal drei Monate nach dessen Amtsantritt. Dennoch nahm sich Hesemann die Zeit, um unter anderem in die USA und nach Peru zu reisen, um vor Ort mit Weggefährten Prevosts zu sprechen, und so eine Lebensbeschreibung vorzulegen, die sich nicht auf vatikanistisches Hörensagen beschränkt, sondern belastbare Informationen bietet.

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