Deindustrialisierung: Was uns wirklich droht und warum uns niemand davor schützt

vor 12 Tagen

Deindustrialisierung: Was uns wirklich droht und warum uns niemand davor schützt
Bildquelle: NiUS

Deutschland ist nicht reich, sondern leistungsfähig. Voraussetzung dafür ist nach wie vor die fossile Energie. Zugunsten des Klimas soll ihre Nutzung aber beendet werden. Ein gleichwertiger Ersatz ist nicht in Sicht, die entstehende Lücke wird erfolgreich verdrängt. Die heraufziehende Gefahr von Deindustrialisierung und wirtschaftlichem Niedergang nimmt derweil konkrete bis beängstigende Formen an.

Erst am 13. August hat das letzte italienische Opfer der fast schon vergessenen Brandkatastrophe in Crans-Montana das Krankenhaus verlassen, 224 Tage nach dem verheerenden Feuer in der Silvesternacht. Ein verkleinerter Eingang zur Diskothek, ein dämliches Spiel mit dem Feuer, hochbrennbare Deckenverkleidungen und ein verschlossener Notausgang – all das hatte 41 Menschen das Leben gekostet.

Das Unglück, mit dem das neue Jahr begann, war zugleich eine kaum zu überbietende Metapher für die gefährliche deutsche Lage. Denn auf dem Gebiet der aktuellen Energie- und Klimapolitik spielen auch Berlin und Brüssel mit dem Feuer, während sie gleichzeitig die Notausgänge versperren: Sie nehmen dem Land, was es am Laufen hält, ignorieren die Folgen und verhindern mögliche Lösungen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Bis 2045 soll Deutschland „klimaneutral“ sein und bis 2050 die Europäische Union. Ab 2050 will die Bundesregierung sogar negative Treibhausgasemissionen anstreben. Fossile Energieträger werden dann nur noch dort toleriert, wo ihr CO2-Ausstoß mit irgendwelchen CO2-Senken verrechnet werden kann, also praktisch gar nicht mehr.

Während unsere Politiker diesen Weg stur weiterverfolgen, beschwören sie ein Wachstum, das es auf eben diesem Weg nicht mehr geben wird. Auch die Linke ignoriert die Gefahr, denn sie interessiert sich nur für Umverteilung. Das ist ein vornehmes Wort für Plünderung, und Plünderung ist das Gegenteil von Versorgung. Die Not von morgen hat keine Lobby. Was passiert aber, wenn die fossilen Energieträger eines Tages wie geplant ausbleiben? Ihre einmalige Energiedichte ist de facto nicht ersetzbar. Welche volkswirtschaftlichen Abgründe werden sich öffnen, wenn diese Leistung nicht mehr zur Verfügung steht? Hinzu kommen Kriegsgefahren, mögliche Cyberattacken, Blackouts und in Notfallplänen avisierte „Lastabwürfe“.

Auch ohne Klimaideologie stehen ernste Versorgungs- und Überlebensfragen im Raum. Die moderne Industriegesellschaft gleicht einer Intensivstation. Wenn die Leitungen gekappt werden oder nichts mehr transportieren, tritt sofort der Ausnahmezustand ein, der lebensbedrohliche Notfall. Ohne Kohle, Öl und Gas fallen wir nicht etwa zurück in das Jahr 1800, sondern in ein 1800 ohne die damaligen Hilfsmittel, Kenntnisse und Gewohnheiten. Wir hängen an den Leitungen wie der Süchtige an der Nadel und können den rosa Elefanten im Raum nur verdrängen. Wenn die Maschine stillsteht, ist es aus.

Das scheint aber vor allem jene nicht zu interessieren, die dafür verantwortlich sind, das Land für ein derartiges Unheil zu rüsten. Angela Merkel rang sich am 23. Januar 2020 auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos wenigstens zu einer gewissen Klarheit durch, insofern sie die Transformationen des Great Reset, also der vollständigen Dekarbonisierung der Wirtschaft, als „natürliche Transformationen von gigantischem, historischem Ausmaß“ bezeichnete: „Diese Transformation bedeutet im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren zu verlassen.“

Dass in so einem Fall auch Kultur, Zivilisation und öffentliches Leben auf dem Niveau von heute „zu verlassen“ sind, verschwieg Merkel geflissentlich. Auch verriet sie nicht, warum eine derart disruptive Entwicklung politisch beschleunigt werden muss, statt sie im Interesse der Bevölkerung und eines allmählichen Strukturwandels so lange wie möglich hinauszuzögern – was einem freilich erst nach Abzug der Klimapanik auffällt.

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