Die bis heute größte Pleite eines deutschen Finanzkonzerns ist auch knapp fünf Jahre nach dem Insolvenzantrag nicht aufgearbeitet – weder juristisch noch politisch. Auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestages konnte die Frage nicht zufriedenstellend beantworten, wie es windigen Managern gelang, offenbar über Jahre eine milliardenschwere Luftnummer aufrechtzuerhalten.
Dass Wirecard seine Machenschaften jahrelang ungehindert entfalten konnte, war auch einem Netzwerk von Helfershelfern geschuldet, das mit fragwürdigen Methoden Druck auf Kritiker und Gegner ausübte. Ein österreichischer Ex-Elitepolizist spielte dabei offenbar eine Schlüsselrolle. Nicht unwahrscheinlich, dass die Wirecard-Vorstände die Patronage höchster Kreise genossen – wenn auch bisher keine politisch Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden.
Mindestens ebenso wichtig aber waren Akteure auf unteren Ebenen, die „Feuerwehr“ spielten, wann immer es für die Konzernspitze brenzlig zu werden drohte: Privatschnüffler, „Problemlöser“ und wenig zimperliche Handlanger und Figuren der Halb- und Unterwelt. Denn eins ist klar: Ohne deren Zutun wäre ein Betrug dieses Ausmaßes nicht durchführbar, und die Geschichte lehrt, dass alle kriminellen Gebilde, ob in der Wirtschaft oder im organisierten Verbrechen, diese Art von Dienstleistern brauchen: Männer fürs Grobe, die Aussteiger, potenzielle Maulwürfe, behördliche Ermittler oder auch Journalisten einschüchtern, erpressen oder bedarfsweise bedrohen. Die Annahme, dass dies im Fall von Wirecard anders war, wäre naiv.
Ein Name, der im Zusammenhang mit dem Skandal immer wieder auftaucht, ist Christoph Gsottbauer. Der 1981 geborene österreichische Sicherheitsunternehmer war ehemaliger Elitepolizist der österreichischen „Cobra“, die als (inzwischen aufgelöstes) Pendant zur deutschen GSG9 galt. Seine Aktivitäten im Umfeld von Wirecard in den Jahren vor dem Zusammenbruch legen nahe, dass er eine Schlüsselfigur bei verdeckten „Spezialaufträgen“ der Konzernführung gewesen sein dürfte. Fraglos kann Gsottbauer als eine der schillerndsten Figuren der österreichischen Gesellschaft bezeichnet werden; seine Beziehungen zu Wirecard in Verbindung mit einem erheblichen Immobilienvermögen ungeklärter Herkunft geben jedenfalls Anlass zu Spekulationen.
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