Alexander Wallasch: Was soll der Leser über Sie wissen?
Cora Stephan: Ach, möglichst wenig. Er soll unbefangen an mich herangehen, das wäre mir das Allerliebste.
Wovon handelt Ihr Buch? Warum musste es gedruckt werden?
Mich ärgert schon lange, dass hier mit Legenden Politik gemacht wird. Sie erinnern sich sicher an die feierliche Übergabe der Benin-Bronzen? An das nigerianische Volk, das mit diesen Benin-Bronzen nie etwas zu tun hatte, denn das sind Bronzen eines kleinen Sklavenstaates namens Benin.
Es wurde also nicht dem „Volk“ als dessen Kulturgut zurückgegeben, sondern den Nachfahren dieses Königreichs, die diese Bronzen auch gleich kassiert haben. Dabei sollten die doch ausgestellt werden in einem von Deutschland finanzierten Museum. Dazu ist es nicht gekommen. Das ist so lächerlich alles, dass ich gedacht habe: Dem muss man mal nachgehen.
Und ich habe hervorragende Beiträge dabei – emeritierte Professoren sind immer am offensten von allen. Wir haben ein paar Geschichten einfach mal untersucht, von den besagten Benin-Bronzen über den Ersten Weltkrieg, Sie wissen schon: wer war schuld? Die Arbeit daran hat einen Riesenspaß gemacht!
Dass dieses Thema von unserer Politik instrumentalisiert wird, stört wahrscheinlich mehr, als dass die Figuren hier jetzt fehlen?
Untertitel Ihres Buches: „Wer schreibt unsere Geschichte?“ Da ist mir spontan zunächst einmal die Kirche eingefallen, die über Jahrhunderte hinweg Geschichte umgeschrieben hat. Und zwar auf brutale Art und Weise. Und insgesamt betrachtet ja wohl die Herrschenden?
Interessant ist ja die DDR-Historiografie. Die DDR hat behauptet, alle größeren Verbrechen der Deutschen wären der Bundesrepublik anzulasten. Und so haben Historiker dort auch gearbeitet, von dort stammt die Geschichte mit den Herero. Das wird dann von linken bundesdeutschen Historikern gern aufgegriffen und weitererzählt. Weil es ja immer darum geht, den Deutschen einzuimpfen, dass sie schuldig sind an allem Möglichen. Der Untertan soll ruhiggestellt werden, und meistens funktioniert das ja auch. Sie werden weithin geglaubt, solche Sachen.
Irgendwo in Dresden las ich an einer Wand in Bronzebuchstaben – ich glaube, es war am Zwingereingang – Kritik am alliierten Bombenterror. Wortwörtlich „Bombenterror“. War die Geschichtsschreibung da mal ein bisschen genauer?
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











