Niemand kann ernsthaft bestreiten, dass das Mittelalter wieder an die Tür klopft. Gegen den Iran wird nicht einfach Krieg geführt – Ajatollah Ali Chamenei (86) und zahlreiche andere Anführer wurden getötet, das Regime vermeintlich enthauptet. Israel genügt das noch nicht, will die gesamte Staatsspitze töten. Viele Jahrhunderte lang überlebten Herrscher ihre Kriege, weil sie an den Feldzügen gar nicht teilnahmen, sondern nur Millionen Soldaten in den Tod schickten. Moderne Waffentechnik könnte das ändern. Die Tötung der Führer als Kriegsziel ist möglich: Mit der Rakete in die Vergangenheit.
Kurzer Blick in die Tiefen der Geschichte. In grauer Vorzeit waren Herrscher meist auch Krieger. Mehrere römische Kaiser fielen auf dem Schlachtfeld. An der Spitze ihrer siegreichen Legionen kamen Imperatoren auf den Thron. Der letzte europäische König, der im Krieg fiel, war der Schwede Gustav II Adolf 1632 in Lützen. Der Herrscher als Kriegsheld aber ist mehr Legende als Wirklichkeit. In der Regel standen nicht Monarchen, sondern hochrangige Feldherrn im Feuer. Der letzte war Louis Ferdinand von Preußen, der 1806 in Saalfeld gegen Napoleon fiel. Kaiser Napoleon beobachtete seine Gemetzel vom Feldherrnhügel und brachte sich selbst nicht in Gefahr. Faustregel: je niedriger der Rang, desto größer das Risiko, in der Schlacht zu fallen.
Nicht unklug ist die Leben erhaltende Idee, statt ganzer Heere, wenige Stellvertreter gegeneinander antreten zu lassen. Meist sind solche Geschichten Mythen. Der Grieche Achilles tötete seinen trojanischen Gegenspieler Hector im Zweikampf; den Krieg entschieden hat es nicht. Anders im alten Testament. David tötete den Riesen Goliath im ungleichen Zweikampf. Um das Blutvergießen zu minimieren ließen 546 v. Chr. Sparta und Argos jeweils 300 Kämpfer gegeneinander antreten. Danach konnten sie sich über den Sieg nicht einigen und es kam doch noch zur großen Schlacht. Lombarden und Franken delegierten 539 n. Chr. das Kriegsglück an wenige, ausgesuchte Kämpfer, nahmen das Ergebnis aber nur als Omen für den Ausgang der folgenden Schlacht. Ähnlich agierten Byzantiner und Russen 971. Englische und französische Ritter duellierten sich im hundertjährigen Krieg 1356, unmittelbar darauf kam es zur Schlacht von Poitier. Die Methode war eigentlich nie richtig in Mode. Und über Kriege entscheiden nicht die Tapferkeit und das Können professioneller Soldaten, sondern Geld, Technik, Material, Truppenstärken, Strategien.
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