CDU-Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat die anhaltenden Probleme bei der Deutschen Bahn als politisches Risiko eingestuft. „Das geht schon in eine demokratiegefährdende Richtung“, sagte Schnieder den Zeitungen der Funke-Mediengruppe in einem Interview. Es sei „brandgefährlich, wenn immer mehr Menschen den Eindruck bekommen, dass der Staat nicht funktioniert“. Man dürfe nicht zulassen, dass die Bürger das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates verlören, so Schnieder weiter. Hintergrund der Aussagen sind erneut verschlechterte Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr. Im vergangenen Jahr kamen lediglich 60 Prozent der Züge mit weniger als sechs Minuten Verspätung an, ein weiterer Rückgang gegenüber 2024. Schnieder gab als Ziel aus, diesen Wert bis 2029 auf 70 Prozent zu steigern.
Eine eigens eingerichtete Taskforce soll mit Maßnahmen wie sogenannten „Joker-Gleisen“ und „Flex-Abfahrten“ kurzfristig für mehr Zuverlässigkeit sorgen. Die Ergebnisse sollen Anfang 2027 überprüft werden. Weniger Züge fahren zu lassen, sei dabei ausdrücklich nicht das Ziel, betonte der Minister. Strukturelle Verbesserungen ließen sich nicht von heute auf morgen erreichen, räumte Schnieder ein. Die Sanierung der 42 Hochleistungskorridore sei bis 2036 angesetzt. „Dann haben wir die wichtigsten Strecken auf Vordermann gebracht. Aber niemand sollte der Illusion erliegen, dass man dann jahrzehntelang nichts mehr machen muss“, so Schnieder. Aus dem am Freitag veröffentlichten Bilanzbericht der Deutschen Bahn geht unterdessen hervor, dass der Konzern im vergangenen Jahr erneut Milliardenverluste verzeichnete, obwohl gleichzeitig die Zahl der Fahrgäste um 3,4 Prozent auf 1,93 Milliarden stieg.
Auch unter den Beschäftigten ist die Stimmung zunehmend schlecht: Einer unternehmensinternen Umfrage vom Oktober 2025 zufolge, über die die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist die Zufriedenheit der Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) ebenfalls auf einen Tiefstand gefallen. Nur noch 31 Prozent der Beschäftigten blicken optimistisch in die Zukunft – vor drei Jahren waren es noch 56 Prozent. Kaum ein Drittel der Befragten zeigt sich überzeugt von der Sanierungsstrategie „S3“ des ehemaligen Bahnchefs Richard Lutz, und lediglich 27 Prozent glauben noch an den Erfolg seiner einstigen Leitidee „Starke Schiene“. Diese umfasste unter anderem das Ziel, die Kapazität des Schienennetzes durch Gleisausbau und Digitalisierung um 30 Prozent zu erhöhen, mehr Züge in kürzeren Takten einzusetzen sowie Milliardeninvestitionen in Netz und Fahrzeugflotte zu tätigen. Unter dieser Leitidee sollte zudem die Dekarbonisierung des Schienenverkehrs vorangetrieben werden. Bereits ab 2038 sollten alle Zugverbindungen vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden – ein Ziel, das nun auf der Kippe steht. Zudem geht aus der Umfrage hervor: Der sogenannte „Eisenbahnerstolz“ ist auf nur noch 57 Prozent gesunken – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebungen. Außerdem wächst unter den Beschäftigten der Wunsch nach einem grundlegenden Kurswechsel der Unternehmensführung. Rund 70 Prozent der Befragten sprechen sich für die „Notwendigkeit eines Neuanfangs“ aus. Unter den Führungskräften liegt dieser Anteil bei 83 Prozent, auf der obersten Managementebene sogar bei 95 Prozent. Dort überwiegt der Pessimismus.
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