Im vergangenen Jahr entschied Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die Regenbogenflagge nicht mehr zum Berliner Christopher Street Day auf dem Reichstagsgebäude hissen zu lassen, sondern ausschließlich am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit. Am 17. Mai 2002 rehabilitierte der Bundestag homosexuelle Opfer der NS-Justiz. Zudem erinnert der Tag an die Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation von 1990, Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel für Krankheiten zu streichen. Deshalb wehe die Flagge am 17. Mai und nicht am Tag des Berliner Christopher Street Days. Dabei soll es auch in diesem Jahr bleiben.
Diese Entscheidung löst nun erneut heftige Debatten aus, vor allem bei Grünen und Linken, die vom Bundestag eine aktive Symbolpolitik einfordern. Grüne Abgeordnete hatten Klöckner bereits im Vorjahr in einem Brief aufgefordert, ihre Haltung zu ändern und „Solidarität zu zeigen“. Für sie sind die Teilnahme am CSD und das Hissen der Regenbogenflagge „Ausdruck einer vielfältigen, freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft“. Dabei geht es längst nicht mehr nur allein um den Schutz Homosexueller vor Diskriminierung.
Die Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch, forderte zum 17. Mai nicht nur mehr „Schutz“, sondern gleich eine Ergänzung des Grundgesetzes (Artikel 3) sowie eine Reform des Abstammungsrechts. Das Selbstbestimmungsgesetz nannte sie einen „riesengroßen Gewinn für die Community“. Zur Begründung erklärte sie, queere Menschen seien unter dem Grundgesetz bis in die 1990er-Jahre hinein verfolgt worden und benötigten deshalb ausdrücklich verfassungsrechtlichen Schutz.
AfD-Parteitag in Erfurt - Tag 1 u.a. mit Wahl zum Parteivorsitz | 04.07.26











