Ohne Hoffnung: Der Suizid von Noelia Castillo Ramos zeigt das Versagen der spanischen Politik

vor 3 Monaten

Ohne Hoffnung: Der Suizid von Noelia Castillo Ramos zeigt das Versagen der spanischen Politik
Bildquelle: Apollo News

„Ich will einfach in Frieden gehen und aufhören zu leiden“, sagte die 25-jährige Noelia Castillo Ramos in ihrem letzten Interview vier Tage, bevor sie am Donnerstag durch aktive Sterbehilfe starb. Die junge Frau sprach langsam, mit stockender Stimme. Ihr Fall hat in Spanien und international eine Debatte über aktive Sterbehilfe entfacht. Denn Castillo beantragte diese, nachdem sie 2022 von drei Männern in einem Nachtclub sexuell missbraucht wurde, wie BBC berichtet. Mutmaßlich wurde sie vergewaltigt. Das Erlebte belastete sie so sehr, dass sie wenige Tage darauf versuchte, sich das Leben zu nehmen.Die junge Frau sprang aus dem fünften Stock eines Gebäudes und erlitt eine Verletzung der Wirbelsäule, die sie an den Rollstuhl fesselte. In den Beinen verspürte sie starke Schmerzen, sie litt unter Inkontinenz, und ein Katheter musste alle sechs Stunden gewechselt werden. Bei der spanischen Garantie- und Bewertungskommission – einer Behörde, die assistierten Suizid genehmigt – gab sie an, dass sie sich wegen chronischer Schmerzen und ihrer unheilbaren Erkrankung Sterbehilfe wünsche.

Die Behörde gab ihrem Ersuchen 2024 statt, doch ihr Vater legte dagegen Widerspruch ein. Es folgte ein achtzehnmonatiger Rechtsstreit durch mehrere Instanzen, bis zum Obersten Spanischen Gerichtshof und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gab ihr schließlich recht.

Die Geschichte von Noelia kann als die Geschichte eines staatlichen Versagens gelesen werden. Denn laut ihrem Vater bekam sie nach ihrem versuchten Selbstmord keine ausreichende medizinische Betreuung. Er hielt auch ihre Entscheidungsfähigkeit für eingeschränkt, weil im Alter von dreizehn Jahren bei ihr eine Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde. Laut El País zeigen die psychiatrischen Gutachten, dass Noelia nach den sexuellen Übergriffen auch depressive Symptome und eine Angststörung hatte. Dennoch entschieden die Ärzte, dass ihre Entscheidungsfähigkeit dadurch nicht beeinträchtigt sei.

Im Alter von dreizehn Jahren war sie wegen problematischer Familienverhältnisse in staatliche Jugendeinrichtungen gekommen. Dort blieb sie bis zu ihrer Volljährigkeit, dann verließ sie die Einrichtung freiwillig. Auf X ranken sich um ihren Tod zahlreiche Spekulationen, die nicht immer haltbar sind. So gab es beispielsweise das Gerücht, dass sie von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in einer staatlichen Jugendeinrichtung vergewaltigt worden sein soll.

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