Die Bundesrepublik ist hoch verschuldet. Das weiß inzwischen jeder.
Ende 2025 betrug die Gesamtverschuldung von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung 2,84 Billionen Euro, was 63,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Zwar ist Deutschland weniger hoch verschuldet als Frankreich, das mit 3,5 Billionen Euro in der Kreide steht (116 Prozent des BIP), die USA (35 Billionen Euro, 123 Prozent des BIP) oder Schuldenweltmeister Japan (7,8 Billionen Euro, 235 Prozent des BIP) – trotzdem ist die deutsche Schuldenlast viel zu hoch und kostet in Form von Zinszahlungen extrem viel Geld. Im vergangenen Jahr betrug der Schuldendienst des Bundes, also die Summe der Zinszahlungen auf die Bundesschuld, 35 Milliarden Euro – das ist drei Viertel des Verteidigungshaushalts (ohne Sondervermögen) oder die Summe der Ausgaben für Bildung, Forschung, Familie und Gesundheit.
Reden wir nun über die Staatsverschuldung, dann wird immer so getan, als sprächen wir ausschließlich über die Schulden des Bundes – so, als gäbe es keine anderen staatlichen Schulden. Aber der Staat besteht nicht nur aus Bund und Ländern, sondern auch aus Städten und Gemeinden – und die sind seit einigen Jahren genauso massiv verschuldet wie der Bund. Darüber wird in der Öffentlichkeit nie gesprochen, dabei spielen die Schulden der Kommunen im Alltag der Bürger eine enorme Rolle und wirken sich auf das Leben des Einzelnen stärker aus als die Bundesschulden. Denn ob die Fregatten, mit denen die Bundesmarine über die Weltmeere schippert, alt oder neu sind, kümmert den Bürger, der in einer Stadt lebt, wo es weder Kitaplätze noch ein Schwimmbad gibt, das Schuldach leckt und das Krankenhaus seit Jahren auf ein neues MRT-Gerät wartet, so gut wie gar nicht.
Bauarbeiter errichten zusätzliche Stützen unter der maroden Agra-Brücke bei Leipzig.
Die Schulden der Kommunen sind die Hauptursache für die Schlaglochpisten in Städten und Gemeinden, für die maroden Brücken innerorts und für all die Kindergärten und Schulen mit undichten Dächern, kaputten Toiletten und Computern von anno Tobak. Weil die Kommunen kein Geld mehr haben, fördern sie Vereine, Volkshochschulen und Musikschulen nicht mehr, kürzen bei der Seniorenarbeit und bei Fußballclubs. Wegen der katastrophalen Finanzlage vieler Kommunen verwahrlosen Parks, verfallen Spielplätze, verlottern Museen – oder werden gleich ganz geschlossen. Weil haufenweise Städte, Dörfer und Gemeinden bankrott sind, steigen die Kita-, Park-, Müll- und Abwassergebühren kontinuierlich, explodieren die Kosten für die Straßenreinigung, ja sogar die Friedhofsgebühren gehen nach oben. Weil viele Gemeinden und Städte finanziell am Abgrund stehen, werden die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuern permanent erhöht. Allein die Grundsteuer hat sich in vielen Orten in den letzten zehn Jahren verdoppelt.
Bislang war die wahre Misere der Kommunen in ihrer Gesamtheit nur Spezialisten bekannt. Aber jetzt hat die Bertelsmann Stiftung mit dem Kommunalen Finanzreport 2026 eine detaillierte Untersuchung der finanziellen Lage aller Kommunen in Deutschland vorgelegt – und die bringt Licht in ein Dunkel, wie es sich schwärzer kaum denken lässt. Fazit vorab: Die Finanzlage der deutschen Kommunen ist eine Katastrophe. Die Haushaltskrise hat sich 2025 nochmals deutlich verschärft. Mit einem Defizit von nahezu 32 Milliarden Euro verzeichneten Städte, Landkreise und Gemeinden den höchsten Fehlbetrag ihrer Geschichte in einem einzigen Jahr. Gleichzeitig ist die Gesamtverschuldung der Kommunen auf einen neuen Höchststand von annähernd 200 Milliarden Euro angewachsen. Hinzu kommt ein Investitionsrückstand von 216 Milliarden Euro – Straßen, Brücken, Schulen, Schwimmbäder und andere öffentliche Einrichtungen verfallen, weil das Geld für notwendige Sanierungen fehlt. Damit sie ihre laufenden Ausgaben überhaupt noch finanzieren können, greifen die Kommunen auf rund 200 Milliarden Euro an Kassen- und Liquiditätskrediten zurück – Kredite, die ursprünglich nur als kurzfristige Überbrückung gedacht waren, niemals aber zur kontinuierlichen Finanzierung von Kommunalausgaben.
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