Der Krieg in Gaza ist nicht neu – und doch ist er in jeder Eskalation wieder unerträglich. Wieder Tote, wieder zerstörte Städte, wieder Weltöffentlichkeit. Doch was sich im Sommer 2025 abspielt, ist mehr als ein regionaler Konflikt: Es ist ein Spiegel, in dem sich die Abgründe unseres digitalen Zeitalters offenbaren. Ein Krieg, der mit Raketen geführt wird – aber mit Bildern entschieden werden soll.
Beide Seiten, Israel und Hamas, bedienen sich der Macht der Bilder in einer Weise, die erschüttert. Blutende Kinder in Krankenhausfluren, schreiende Mütter, Männer, die aus Trümmern Leichen ziehen – das Leid ist real, und es wird gnadenlos in Szene gesetzt. Emotionalisierung ersetzt Kontext, Schockwirkung ersetzt Erklärung. Auf Social Media wird die Timeline zur Frontlinie der moralischen Mobilmachung.
Wer sich dieser Logik entzieht und differenziert, wird sanktioniert. Es reicht, Zweifel zu äußern, und schon fällt das Etikett: „Verharmloser“, „Relativierer“, „Leugner“. Fragen stellen gilt als verdächtig. Differenzieren als gefährlich.
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