Als ehemaliger Erster Bürgermeister Hamburgs ist der heutige Chef des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Christoph Ahlhaus, rhetorische Spitzen, öffentliche Kritik bis hin zu Anfeindungen eigentlich gewohnt. Es ist Teil des politischen Geschäfts. Sicherlich, der unappetitliche Teil, aber er ist nicht zu vermeiden. Es gehört zum Ringen um öffentliche Macht. Wer sich hoch hinauswagt, gerät von Beginn an unter Beschuss.
Was ihm am Freitag widerfuhr, war für den erfahrenen Politiker dennoch neu: Sein offener Brief an den Bundeskanzler, in dem er scharf die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik kritisierte, löste einen regelrechten Tsunami an Gegenpolemik aus.
Niemand mit unverstelltem Blick und ideologischer Verblendung würde gegenwärtig die schwere Krise der deutschen Wirtschaft und deren sichtbaren Niedergang leugnen. Dennoch sind es ausgerechnet die Funktionäre der deutschen Wirtschaft, die Ahlhaus’ Intervention zum Anlass nahmen, um sich wie herbeieilende Hilfstruppen schützend vor die Bundesregierung und den Bundeskanzler zu werfen.
Was war geschehen? Die versammelte Kollegenschaft der deutschen Funktionärselite hatte sich spontan, beinahe antizipativ, zu einer konzertierten medialen Aktion gegen Ahlhaus und den BVMW zusammengeschlossen. Die heftige Abwehrreaktion entzündete sich an Ahlhaus’ Kritik an der Mittelstandsbeauftragten der Bundesregierung, Gitta Connemann.
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