Pedro Sánchez wollte einst als Saubermann die spanische Politik erneuern. 2018 stürzte er die konservative PP-Regierung mit dem moralischen Furor des Korruptionsbekämpfers. Nun fällt ihm genau diese Pose wie Zement auf die Füße. Denn mit José Luis Ábalos steht ausgerechnet einer seiner engsten früheren Vertrauten vor Gericht, ein Mann, der Sánchez damals mit an die Macht half und lange zu den Schwergewichten der Sozialisten gehörte.
Der Fall ist für die von den Sozialisten geführte Minderheitsregierung brandgefährlich. Ábalos und sein früherer Berater Koldo García sollen während der Covid-Zeit bei der Vergabe millionenschwerer öffentlicher Aufträge für Sanitätsmaterial Schmiergelder kassiert haben. Verhandelt wird vor dem Obersten Gerichtshof in Madrid. Im Raum stehen Vorwürfe wie Bestechlichkeit, Veruntreuung, Einflussnahme, Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und Missbrauch vertraulicher Informationen. Beide bestreiten die Anschuldigungen.
Die Staatsanwaltschaft zieht die Sache mit bemerkenswerter Härte auf. Für Ábalos fordert sie 24 Jahre Haft, für García 19 Jahre. Sie zeichnet das Bild eines Systems unrechtmäßiger Bereicherung, bei dem Ábalos als Kopf der Operation agiert haben soll, während García als wichtiger Mittelsmann fungierte. Nach Darstellung der Anklage missbrauchten beide ihre Regierungsämter und Kontakte, um den Unternehmer Víctor de Aldama zu begünstigen, der seine Rolle in der weitverzweigten Affäre bereits eingeräumt hat.
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