Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ beginnt mit einem Verdacht, ohne dass klar ist, worauf er sich stützt. Die Figur Joseph K. wird verhaftet, ohne je zu erfahren, was ihr vorgeworfen wird. Dabei entsteht beim Leser jene Atmosphäre, die zu der Wortschöpfung „kafkaesk“ geführt hat, die der Duden mit „auf unergründliche Weise bedrohlich“ umschreibt.
Eine ganz ähnliche beklemmende Atmosphäre entsteht beim Lesen des Geheimgutachtens, das der Verfassungsschutz Niedersachsen über den entsprechenden Landesverband der AfD erstellt hat. Es handelt sich um eine fast 1000-seitige Sammlung von Belegen, die der Verfassungsschutz auf seine „spezielle Weise“ auslegt. NIUS berichtete über den Inhalt des Gutachtens und veröffentlichte es auch.
Kafkas Prozess beginnt mit den Worten: „Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“ Im Verlauf der Geschichte verliert er sich in einem behördlichen Dickicht, in dem er nie erfährt, wofür ihm eigentlich der Prozess gemacht wird. Eine ähnliche Logik zeigt sich im vorliegenden Fall.
Theater-Aufführung von „Der Prozess“ im Berliner Gorki-Theater.
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