„Messen Sie uns doch bitte an den Taten und nicht an diesen Papieren“, forderte Linken-Chefin Ines Schwerdtner am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Sie verteidigte damit die Berliner Linksfraktion, die zentrale Bestimmungen einer zuvor mit SPD und Grünen getroffenen Antisemitismus-Vereinbarung nicht in ihre eigene Erklärung übernommen hatte. Die beiden Texte seien „praktisch deckungsgleich“, behauptete Schwerdtner.
Die Aussage ist bemerkenswert. Denn: Wer die Linke an ihren Taten misst, darf jene Taten der SED nicht ausblenden. Die DDR-Staatspartei, aus der die heutige Linke hervorging – mit der sie rechtsidentisch sein will – ließ jüdische Bürger und Funktionäre verfolgen.
Anfang 1953 flohen mehr als 500 Juden aus der DDR. Vorausgegangen war eine antisemitische Verfolgungskampagne der SED. Die Parteiführung ließ die Akten jüdischer Mitglieder überprüfen und zahlreiche jüdische Angestellte aus öffentlichen Verwaltungen entlassen. Veranstaltungen jüdischer Gemeinden wurden verboten, Gemeindebüros durchsucht und Vorsitzende verhört. Fünf der acht Gemeindevorsitzenden flohen nach West-Berlin.
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