Wer beim Titel an hügelige Englische Landschaften, High Tea und schrullige Britische Ermittler denkt, sollte sich nicht irreführen lassen; Hier wurden wohldosiert politische Botschaften platziert, die den Anspruch eines woken Zeitgeistes auf Deutungshoheit zum Ausdruck bringen. Die Bühne aus englischer Dorfidylle, Shawn-das-Schaf-Optik und Linksverkehr dient augenscheinlich nur dazu, den nichtsahnend hereingestolperten Fan der Inspectoren Barnaby, Morse und Lewis einzulullen. In Wirklichkeit sind diese Requisiten so hohl und leer wie Werbung für das Kulturfest in „Denbrook“, dem fiktiven Dorf (tatsächlich wohl Ivinghoe, am Fusse der Chiltern Hills), wo der Krimi spielen soll. Diese Leere füllt das Drehbuch von Craig Mazin mit den politsch korrekt gemeinten bunten Inhalten.
Wo z.B. die „Barnaby“ – Serie das englische Landleben mit besonderer Betonung auf Spezialitäten, Musik, Folklore und Bauten zelebriert, enttäuscht das Kulturfest im Dorf Denbrook mit einer lieblosen Anhäufung von Einmachgläsern dubiosen Inhalts, alten Ölschinken und angestaubten Medaillen unter drei Faltpavilions. Lachhaft und sinnlos, die zehn Pfund Eintritt nicht wert, wie die Organisatorin Beth Hannock (Hong Chau), selbst zugibt. Besser kann man es nicht zum Ausdruck bringen: Hier steht nur noch die lokalkolorierte Hülle einer Kultur, die darauf wartet, nach Belieben mit buntem Inhalt geimpft zu werden. So farbenfroh wie George Hardys Schafsherde, die, wie man den Trivia-Seite der IMDB entnehmen kann, den Rassen (wenn man die noch so nennen darf) Shetland, Icelandic, Merino, Norfolk Horn, Danish Landrace, Lincoln Longwool, North Country Cheviot und Boreray entstammen. Nicht unähnlich den dörflichen Protagonisten, deren asiatischen und afrikanischen Wurzeln man jedenfalls an Hand ihrer ur-englischen Namen (…Merrow,,,Hillcoate…), nicht mehr erkennen kann.
Mein Gott, was ist Hugh Jackman, der das Mordopfer, den Schäfer George Hardy spielt, doch alt geworden! Hardy hat sich, nachdem er durch die Entdeckung eines Gegenmittels gegen die Schafskrankheit „Orf“ (Ecthyma contagiosum, „Lippengrind“oder „Schafpocken“) zum mehrfachen Millionär wurde, auf dem Land zur Ruhe gesetzt und hütet Schafe. Er lebt nicht etwa im nahen Dorf, sondern in einem Wohnwagen (US-Camper-Ikone Marke Airstream) offenbar mit Stromversorgung von einem kleinen Windrad. Er liest seinen Schafen aus seinen Büchern vor (keine e-books!) und schreibt tatsächlich Briefe mit seiner Hand auf nach Rosen duftendem Papier.
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