„Folge der Wissenschaft“

vor etwa 3 Stunden

„Folge der Wissenschaft“
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Wissenschaft umgibt sich mit der Aura steter Beschleunigung, die zu immer neuen Möglichkeiten führt, unsere Welt zu verstehen und zu verändern. Auch für die Herausforderungen der Zukunft setzen wir große Hoffnungen auf Wissenschaftler und wissenschaftliche Strukturen. Aber ist die heutige Forschung diesen Anforderungen gewachsen? „Folge der Wissenschaft“ gilt als Motto vieler Aktivisten – aber welche Wissenschaft meinen die, die dieses Motto wie eine Monstranz vor sich hertragen, genau, und können sie diesen Anspruch einlösen?

Aus der Abschiedsansprache von US-Präsident Dwight D. Eisenhower aus dem Jahr 1961 wird in der politischen Diskussion in diesem Zusammenhang häufig zitiert, weil er bei dieser Gelegenheit nicht nur vor dem „militärisch-industriellen Komplex“ warnte, sondern auch Trends in der Wissenschaft kritisch und weitblickend reflektierte. Der abtretende Präsident machte schon vor 65 Jahren deutlich, dass ökonomische Interessen oder Abhängigkeiten in der Wissenschaft großen Schaden anrichten könnten. Auch ein zweites Problem sah Eisenhower voraus: Wissenschaftliche Eliten könnten politische Prozesse kapern. Sie beschädigten aufgrund der Rückwirkungen auch die Wissenschaft selbst.

In der Tat sind Förderungen heute ideologisiert – ebenso wie Studieninhalte und Auswahlprozesse des Nachwuchses. Dass Dissens und Unabhängigkeit wesentliche Voraussetzungen für wissenschaftlichen Fortschritt sind, wurde von dem damals sehr populären polnisch-britischen Philosophen Jacob Bronowski betont. Auch Karl Popper erwies sich als früher Kritiker der Entwicklungen im wissenschaftlichen Betrieb. Er schrieb sehr weitsichtig im Jahr 1968: „Ich denke, dass die zwei wesentlichen Hindernisse für den Fortschritt in der Wissenschaft sozialer Natur sind: ökonomische und ideologische Hindernisse.“ Er warnte dann vor dem, was er – im Grunde ähnlich wie Eisenhower – „Big Science“, also „große Wissenschaft“, nannte: Zu viel Geld würde zu wenige Ideen jagen, und die explosionsartig zunehmende Zahl an Publikationen würde die seltenen guten in einer Flut des Mittelmaßes oder Unsinns ertränken.

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