Es könnte ein weiteres Kapitel aus dem bekannten Strategiebuch der Anti-Populisten sein. Aber Nigel Farage, vielleicht der ausgekochteste Stratege der heutigen britischen Politik, hat die Sache umgehend umgedreht. „Farage gegen die Welt“, heißt es im Spectator.
Die Wahrheit ist: In der Politik wie im Leben sind manche gleicher. Das gleiche Verhalten wird dem einen angekreidet, dem anderen lässt man es durchgehen. Nigel Farage gehört als schlimmer Populist natürlich in die erste Gruppe des unbedingten Ankreidens, sobald es auch nur den Hauch eines Verdachts auf Fehlverhalten gibt. Da bringen andere Politiker noch ganze Legislaturperioden hinter sich, bevor sich vorsichtig erkundigt wird, was es denn mit einer gewissen Affäre auf sich hat. Die Stichworte „Maskendeals“ oder „Cum-Ex-Affäre“ reichen hier aus deutscher Sicht vollkommen aus.
Wenn eine Christine Lagarde Steuermillionen verschenkt, dann ist das offenbar nicht dasselbe, wie wenn eine andere Politikerin Fraktionsgelder für diejenige Partei einsetzt, die diese Fraktion unterhält. Und so darf Marine Le Pen ihren Wahlkampf beginnen, muss dabei allerdings eine elektronische Fußfessel tragen. Dieselbe ist nicht mehr als ein Symbol für die Missgunst des etablierten Parteiensystems gegenüber der Herausfordererin. Die Kandidatin der größten Partei steht sozusagen unter staatlicher Beobachtung.
Ähnlich war es mit Björn Höcke, dem eine intime Kenntnis von NS-Memorabilia unterstellt wurde, als ihm der Slogan „Alles für D.“ untersagt wurde. Ähnlich geht es im Deutschen Bundestag, wo jeder Hauch einer Respektlosigkeit eines AfD-Abgeordneten zu einer Rüge des Präsidiums führt, wo aber über AfD-Mitglieder gesagt werden darf, dass sie „quatschen“ oder „schwurbeln“ – als ob das der vielbeschworene „parlamentarische Ton“ wäre.
Bundestag LIVE: u.a. GKV-Reform & Verschärfungen bei Krankschreibungen | 10.07.26










