Die Diesel-Katastrophe: Warum der Welt der Treibstoff ausgeht

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Die Diesel-Katastrophe: Warum der Welt der Treibstoff ausgeht
Bildquelle: Deutschland Kurier

Es ist ein nicht enden wollender Alptraum, den insbesondere Dieselbesitzer bei jeder Fahrt zur Tankstelle im Moment erleiden müssen. Zwar hat sich der Dieselpreis geringfügig wieder nach unten bewegt, doch er bleibt deutlich über der Zwei-Euro-Marke. Eine Rückkehr zu den Zeiten vor dem Krieg im Iran ist nicht abzusehen, eine Rückkehr zum Preisniveau, bevor die Ostukraine zum Schlachtfeld wurde, erst recht nicht. Dabei passieren längst wieder Tanker die Straße von Hormus. Der Markt hat sich auf den Krieg eingerichtet, Versicherungen preisen das Risiko durch Seeminen und Drohnen ein, an einigen Tagen erreicht die Menge an Öl, die die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman passiert, wieder das Niveau vor dem Krieg und dennoch: Die hohen Preise wollen nicht fallen, Tankfüllungen für unter 100 Euro sind nicht nur in Deutschland für viele Autofahrer ein Ding der Unmöglichkeit geworden.

Denn während alle gebannt auf den Ölpreis schauen, vollzieht sich die wahre Katastrophe andernorts: Der Flaschenhals ist längst nicht mehr allein die Straße von Hormus – der Flaschenhals ist die globale Raffineriekapazität. Denn um die steht es schlecht, so schlecht, daß eine globale Energiekrise von bisher ungekanntem Ausmaß droht. Wer wissen will, warum das so ist, muß sich durch eine ganze Reihe an Daten wühlen – oder den Deutschlandkurier lesen.

Also der Reihe nach:

Raffinerien weltweit

Weltweit existieren nach weit gefaßten Zählungen etwa 870 Raffineriestandorte. Während etwa in Deutschland der Löwenanteil der Verarbeitung auf einige große Industriestandorte entfällt, existieren in der Volksrepublik China auch zahlreiche kleinere und mittelständisch geprägte Anlagen. Wichtig dabei: Nicht jede Raffinerie kann jede Sorte Rohöl verarbeiten, was die Lage zusätzlich verkompliziert. Die Betreiber kaufen Rohöl, lassen es verarbeiten und verkaufen Erdölprodukte – Diesel, Kerosin, Benzin, Schweröl oder Bitumen. Soweit, so simpel.

Doch die Kapazitäten sind nicht gleichmäßig über den Globus verteilt. China und die USA sind die beiden größten Raffinerienationen der Welt, dahinter folgt die Russische Föderation. Und ausgerechnet diese drei Schwergewichte stehen im Mittelpunkt einer Energiekrise, die sich längst nicht mehr allein durch die Entwicklungen am Persischen Golf erklären läßt.

Der Krieg in der Ukraine

Diese Russische Föderation führt seit mehr als viereinhalb Jahren einen erbitterten Krieg gegen die Ukraine, in dem sich beide Seiten wenig schenken. Vor allem die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Raffinerien zuletzt massiv ausgeweitet, mit verheerenden Folgen für die dortige Energiewirtschaft. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums sind mittlerweile 51 Prozent der russischen Raffineriekapazität durch Angriffe außer Betrieb gesetzt worden. Die Behauptung läßt sich unabhängig nicht vollständig bestätigen, doch die Internationale Energieagentur liefert Zahlen, die ebenfalls wenig Raum für Optimismus lassen: Die russische Dieselproduktion ist gegenüber dem Vorjahr um knapp 30 Prozent eingebrochen.

Von den 32 großen russischen Raffinerien waren nach den vorliegenden Berichten bis Ende August gerade einmal fünf noch nicht von ukrainischen Drohnen getroffen worden. Besonders unangenehm für Moskau: Die Ukrainer haben es längst nicht mehr nur auf große Lagertanks abgesehen, sondern greifen gezielt komplexe Verarbeitungseinheiten an, deren Reparatur Monate dauern kann. Hinzu kommen beschädigte Ölterminals, Kondensatverarbeitungsanlagen und petrochemische Betriebe, lauter Einrichtungen, deren Ausfall die Lage weiter verschärft.

Die Ukraine selbst hat ihre früheren großen Raffineriekapazitäten ebenfalls weitgehend eingebüßt und muß den benötigten Diesel inzwischen importieren, allein im September 2026 rund 537.000 Tonnen. Ein geradezu grotesker Zustand: Während ukrainische Drohnen russische Raffinerien zerstören und dadurch die weltweite Versorgung mit Diesel verschlechtern, muß Kiew auf eben jenem Weltmarkt immer größere Mengen Treibstoff einkaufen.

Doch Rußland und die Ukraine sind nicht die einzigen Volkswirtschaften, die unter einem anhaltenden Krieg leiden.

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