„Die Energiewende, so wie man sie angedacht hatte, ist leider gescheitert!“ Das sagt der Professor für Thermodynamik André Thess im Gespräch mit dem TE-Wecker. Deutschland emittiere trotz enormer Investitionen weiterhin deutlich mehr CO2 pro Kopf als etwa Frankreich, das stark auf Kernenergie setzt. Gleichzeitig sei die Stromversorgung weder stabil noch preisgünstig. Die Energiewende habe damit nicht nur ihre Versprechen verfehlt, sondern auch eine tiefe gesellschaftliche Spaltung erzeugt.
„Doch bevor wir uns jetzt darüber unterhalten, was man mit der Kernenergie tun kann, muss man eine zentrale, für mich zentrale Erkenntnis anerkennen, dass wir bei der Diskussion über die mögliche Nutzung der Kernenergie von einer Prämisse ausgehen sollten: Nie wieder Planwirtschaft!“
Thess beobachtet die Diskussion über eine Reaktivierung von Kraftwerken, die gerade abgebaut werden, „mit Interesse“. Doch er will jetzt nicht wieder umgekehrt in einen hemmungslosen Kernenergie-Aktivismus verfallen, bei dem der Staat die Rolle des Kraftwerksbauers übernimmt: „Ich plädiere aber ganz ausdrücklich gegen eine nukleare Planwirtschaft, die darin besteht, Milliarden Euro zu investieren, staatlicher Gelder in eine Reaktivierung von Kernreaktoren Milliarden Euro zu investieren und in irgendwelche Demonstrationsprojekte.“
Stattdessen gilt für ihn: „Ich glaube, was wir als erstes machen sollten, ist das Atomgesetz in den Zustand des Jahres 2002 zurückzuversetzen. Das ist für mich der wichtigste Punkt. Wir müssen es zurückversetzen in einen Zustand, in dem es nicht verboten ist, Kernenergie zu nutzen.“ Danach sollten private Investoren entscheiden, ob und wo neue Kraftwerke entstehen. „Ich bin aber nicht dafür, mit Milliarden und Abermilliarden jetzt in einer ähnlichen staatlichen Planwirtschaft, wie wir das aus der Vergangenheit kennen, in die Kernenergie einzusteigen.“
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