Friedrich Merz erklärt in seinem Schreiben, alle bisher getroffenen Entscheidungen hätten die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands noch nicht hinreichend verbessern können. Die Situation sei „in einigen Bereichen sehr kritisch“, heißt es wörtlich in dem vierseitigen Brief.
Der Kanzler wählt damit für einen Regierungschef bemerkenswert offene Worte. Seit Monaten verweisen Ökonomen auf schwaches Wachstum, hohe Energiepreise und eine nachlassende industrielle Dynamik. Merz greift diese Einschätzungen nun auf und beschreibt die Folgen für Unternehmen und Beschäftigte, zitiert die WELT aus diesem Text: „Große Industriezweige stehen ebenso wie erhebliche Teile des Mittelstandes und des Handwerks vor gewaltigen Herausforderungen, in vielen Unternehmen gehen Arbeitsplätze verloren.“ Diese Passage verdeutlicht den Ernst, mit dem der Kanzler jetzt die Entwicklung zu betrachten scheint.
Aus seiner Diagnose leitet Merz eine klare Priorität für 2026 ab: Die Regierung müsse sich auf durchgreifende Verbesserungen der Standortbedingungen konzentrieren. „Wir werden uns im Jahr 2026 deshalb darauf konzentrieren müssen, die richtigen politischen und gesetzlichen Entscheidungen zu treffen, um die Standortbedingungen durchgreifend zu verbessern.“ Nur mit Reformen in Steuer-, Energie- und Regulierungspolitik könne wieder ein nachhaltiger Wachstumspfad erreicht werden. Das Schreiben liest sich in Teilen wie eine ernüchternde Bestandsaufnahme nach Jahren, in denen die deutsche Wirtschaft zwar stabil, aber zunehmend weniger dynamisch war.
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