Schwere Vorwürfe, schwache Grundlage: Wie die Medienbehauptung über die Deepfake-Pornos entstand

vor 3 Monaten

Schwere Vorwürfe, schwache Grundlage: Wie die Medienbehauptung über die Deepfake-Pornos entstand
Bildquelle: NiUS

Die Zweifel an der Titelgeschichte des Spiegel wachsen. Was als spektakulärer Fall von „virtueller Vergewaltigung“ inszeniert wurde, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Komplex aus bislang unbewiesenen Vorwürfen, offenen Fragen und erheblichen Widersprüchen. Entscheidend ist: Die zentrale Behauptung, Ulmen habe selbst Deepfake-Pornos erstellt und verbreitet, ist durch die vorliegenden Aussagen nicht belegt.

Bis heute gilt: Die gegen Christian Ulmen erhobenen Anschuldigungen sind nicht belegt. Weder liegt eine gerichtliche Bewertung vor, noch sind die behaupteten Tathandlungen durch öffentlich nachvollziehbare Beweise abgesichert. Es steht Aussage gegen Aussage – mehr nicht. Ulmens Rechtsbeistand spricht von „unwahren Tatsachen aufgrund einer einseitigen Berichterstattung“.

Besonders aufschlussreich ist dabei eine zentrale Unstimmigkeit in den eigenen Angaben von Collien Fernandes. Gegenüber NIUS differenzierte sie selbst zwischen zwei klar getrennten Kategorien von Material, das über sie verbreitet worden sei: Zum einen existierten demnach sogenannte „Deepnudes“, also manipuliertes Bild- und möglicherweise auch Videomaterial. Zum anderen sprach sie von pornografischen Videos, die unter ihrer Identität verschickt worden sein sollen. Diese beiden Kategorien ordnet sie zudem unterschiedlichen Täterkategorien zu:

Sie sagte: „Zum einen gibt es Menschen (!), die Deepnudes von mir online gestellt haben, zum anderen gibt es die pornografischen Videos, die der Täter (!) unter meiner Identität verschickt hat. Hierüber haben uns Männer informiert, die die Echtheit dieses Profils anzweifelten.“

Diese Unterscheidung ist nicht trivial. Die vielfach transportierte Vorstellung, Christian Ulmen habe selbst pornografisches Deepfake-Material seiner Ex-Partnerin erstellt und verbreitet, wird durch diese eigene Darstellung nicht gedeckt.

Christian Ulmen und Collien Fernandes, 2018

Dennoch berichtete die Tagesschau am 20. März 2026: „Die Schauspielerin Collien Fernandes hat schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. (…) Der Moderator (…) soll jahrelang im Internet Fake-Profile seiner Frau erstellt und Deepfake-Pornos verbreitet haben.“ An anderer Stelle schreibt die Tagesschau sogar, was die Spiegel-Geschichte explizit nicht behauptet hatte, dass er sie auch „erstellt“ habe.

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