Das europäische Erbe verteidigen – dem Niedergang begegnen

vor 8 Monaten

Das europäische Erbe verteidigen – dem Niedergang begegnen
Bildquelle: Tichys Einblick

Europa steckt nicht nur in einer Krise, es ist im Niedergang begriffen. Das ist nichts Neues. Wir sind umgeben von Nachrichten und Schlagzeilen, die uns diese Realität jeden Tag vor Augen führen. Wie aber mit diesem Umstand umgehen, wie ihm begegnen?

Nun, zuerst einmal mit einer gründlichen Analyse, die sodann ermöglicht, etwaige Lösungen zu skizzieren.

Beides, Analyse und Lösungsansätze, legt David Engels vor. Dass ein Althistoriker im Rückblick auf den Untergang vergangener Kulturen erläutern kann, wie es zur gegenwärtigen existenziellen Krise kam, ist einigermaßen nachvollziehbar. Dass er auch einen wagemutigen, konstruktiven Blick in die Zukunft zu werfen vermag, ist weniger selbstverständlich. Diesen Blick aus der Perspektive der Historie zu tun, ist indes äußerst hilfreich, wie Engels belegt.

Mit Das Abendland verteidigen – Einführung in den Hesperialismus legt er die deutsche Fassung seines Werkes Défendre l’Europe civilisationelle vor. Es ist ein schmaler Band, aber er hat es in sich. In erstaunlicher Dichte gelingt es Engels, die Ursachen und die Beschaffenheit der gegenwärtigen Situation darzulegen – und dabei trotz der Kürze einen ganzen Reigen konkreter Sachverhalte anzusprechen und präzise zu beschreiben, sowohl, was historische Entwicklungen angeht, als auch was aktuelle Probleme betrifft – von Klimawahn bis Transhumanismus, von Migrationsproblematik bis hin zu demokratischen Defiziten des „Milliardärssozialismus“, der vor unseren Augen Gestalt annimmt.

Präzision des Denkens und der Sprache – das ist vielleicht der wichtigste und wohltuendste Parameter, der Das Abendland verteidigen ausmacht. Denn viel wird über die Krise Europas gesprochen und geschrieben. Zumeist aber bleiben diese Gedanken überschattet von einem diffusen Gefühl der Hilflosigkeit, der Überforderung, manchmal des Zorns angesichts der Zerstörung einer reichen Kultur, Tradition und Lebensart.

Im ideologischen Nebel zwischen linkem Wokismus und seiner rechten Entsprechung – national- oder ethnochauvinistischer Rückwärtsgewandtheit, die kaum weniger geschichtsvergessen ist – und flankiert von schlaffer Nostalgie, die sich nicht eigentlich um Tradition kümmert, sondern ein bequemes Leben ersehnt, tastet sich der Europäer durch ein Minenfeld der Herausforderungen. Die Erläuterungen, wie es zu diesem Zustand kam, und was man jetzt tun müsse, sind zumeist von starker ideologischer Einseitigkeit geprägt.

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