Ein Jahr nach der spektakulär gescheiterten Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Bundesverfassungsrichterin schildert die Juristin ihren Fall in einem Buch – und zeigt sich dabei kein bisschen selbstkritisch. Vielmehr sieht sie sich als Opfer einer Kampagne, die unter anderem von freien Medien losgetreten worden sei.
„Wahl und Wahrheit. Was unser Grundgesetz gefährdet und wie wir es schützen. Ein juristischer Blick auf die Debatten unserer Zeit“ lautet der Titel ihres am Dienstag erschienenen Buchs. Für das trommelt Brosius-Gersdorf derzeit auf allen üblichen Kanälen, die sich ihre Version der Debatte um ihre Person vollständig zu eigen machen.
Im ZDF-Morgenmagazin (moma) gab sie Dunja Hayali ein Interview, das diese gleich mit Behauptungen über „Bedrohungen, Beleidigungen, Desinformationen“ begann. Auf letztere seien „ja auch einige reingefallen“. Es habe eine „Kampagne in den sozialen Medien und einiges mehr“ gegeben, „Hass und Hetze und Drohungen“.
Das kann ihr Gast nur bestätigen: Es sei „kübelweise Schmutz über einen ausgegossen“ worden, der „Gang zu Lanz“ sei „irgendwo ein Akt der Notwehr“ gewesen. Sie habe Dinge richtigstellen müssen, die „Grundlage für Diffamierungen und Beleidigungen“ gewesen seien. Sie habe sich bemüht, im Buch „das sehr sachlich aufzuarbeiten und zu schreiben“, eine Journalistin habe mit Recherchen geholfen. Hayali munkelte noch etwas vom politischen Diskurs, der „zerstört oder verschoben“ werde „von fremden Mächten“, und auch Brosius-Gersdorf raunt von „KI‑gestützten Kampagnen auch aus dem Inland und teilweise aus dem Ausland“, ohne näher darauf einzugehen.
Brosius-Gersdorf im „moma“: Opfer einer rechten Kampagne.
Im SWR-Kultur-Gespräch und im Funke-Podcast mit Jan Dörner erzählt sie nahezu wortgleich dasselbe. Hinter den Kampagnen steckten „sehr stark rechtsnationale Kräfte, neue Medien, soziale Netzwerke, Plattformen, Vertreter der katholischen Kirche, die sich eingemischt haben. Leider auch einzelne Journalisten von absoluten Top-Qualitätsmedien.“ Womit Brosius-Gersdorf zwei Redakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) meint, die sie noch immer für ein Blatt mit konservativer Grundhaltung hält.
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