Am 6. Oktober wurde Tobias Rausch mit 48 Stimmen zum Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt gewählt. Der AfD-Politiker erhält damit auch neun Stimmen von Abgeordneten anderer Fraktionen, wo aktuell mit geradezu diktatorischem Eifer hinterher geschnüffelt wird, wer das denn nun war. Wenige Stunden später zieht die Münchner BMW-Zentrale ihr bereits unterbreitetes Leasingangebot für den Dienstwagen des Landtagspräsidenten zurück. Eine Begründung liefert der Konzern bis heute nicht. Die Botschaft, die dieser Vorgang vermittelt, ist hingegen klar: Ein demokratisch gewählter Präsident eines deutschen Landesparlaments ist für BMW offenbar ein politisch problematischer Fahrer. Die Münchner haben damit eine Debatte losgetreten, die ihnen inzwischen selbst mit Wucht um die Motorhauben fliegt.
Am Freitag richtete Rausch dann einen dreiseitigen offenen Brief an den BMW-Vorstand und dessen Vorsitzenden Milan Nedeljković. „Mit großer Verwunderung und persönlicher Enttäuschung“ habe er die Rücknahme des Angebots zur Kenntnis genommen, schreibt der Landtagspräsident. Er verweist ausdrücklich auf den Zeitpunkt der Entscheidung, die wenige Stunden nach seiner Wahl erfolgt sei. Angesichts der Umstände dränge sich für ihn der Eindruck auf, dass die Entscheidung in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Zugehörigkeit zur AfD stehe. „Sollte dies tatsächlich der Grund sein, wäre das aus meiner Sicht ein fragwürdiger Vorgang.“
Rausch erinnert die Konzernführung in seinem Schreiben an das Ergebnis der Landtagswahl vom 6. September. 43,8 Prozent der Wähler hätten ihre Zweitstimme der AfD gegeben. Auch bundesweit hätten sich Millionen Menschen bei demokratischen Wahlen für diese Partei entschieden. „Unter diesen Menschen befinden sich zahlreiche BMW-Kunden, Beschäftigte Ihres Unternehmens und
Mitarbeiter Ihrer Vertragshändler“, schreibt der Landtagspräsident. Diese Menschen hätten unterschiedliche Lebensgeschichten und politische Überzeugungen. Sie seien allesamt Teil der demokratischen Gesellschaft. Der Brief ist ruhig, freundlich, beinahe versöhnlich. Genau wie Rauschs Antrittsrede. Andere AfD-Vertreter wären der Situation vielleicht forscher begegnet.
Daran schließt Rausch eine Frage an, deren Tragweite die Münchner Konzernzentrale möglicherweise unterschätzt hat: „Soll künftig die politische Überzeugung eines Menschen darüber entscheiden, ob ein deutsches Unternehmen mit ihm Geschäftsbeziehungen unterhält?“
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