Die erste Merkwürdigkeit beim Katholikentag steckt im Namen. Queere Events, postkoloniale Perspektiven, gendersensible Sprache und – halten Sie sich fest – ein „Ökumenischer Arbeitskreis BDSM und Christsein“: Das alles bietet die 104. Ausgabe dieses Treffens, das einst als ultramontanes Event glaubenstreuer Katholiken begann und heute als Zelebration des jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Zeitgeists endet. Warum da noch nicht von „Katholik*innentag“ die Rede ist, liegt vermutlich nur an der Behäbigkeit des deutschen Verbandskatholizismus, der als eigentlicher Verantwortlicher fungiert.
Denn Veranstalter dieses ursprünglichen Laien-Events ist nicht die Katholische Kirche, sondern das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das jeweils mit dem Ausrichtungsbistum einen gemeinsamen Rechtsträger ins Leben ruft. Sie wissen schon: das ZdK, das in Deutschland den Synodalen Weg veranstaltet und etwa Segnungen für Homosexuelle fordert, die der Vatikan unmissverständlich ablehnt. Den Vorsitz des Katholikentages hat dementsprechend Irme Stetter-Karp als Präsidentin des ZdK inne. Sie hatte die Großzügigkeit, dem Papst mitzuteilen, er solle sich wegen der Homo-Segnungen nicht so anstellen. Womöglich wäre „Anti-Katholikentag“ noch eine treffendere Bezeichnung, aber anders als der mit dem Gendersternchen weniger vermittelbar bei den Veranstaltern.
„Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt“, sagte einst Groucho Marx. Als katholischer Publizist kann man dazu nur „Amen“ sagen. Selbst wenn man eine Einladung zu diesem Event bekäme, müsste man sie ausschlagen. Denn der Katholikentag steht nicht nur für die kunterbunten Abwege dessen, was einmal eine anti-preußische, romtreue Bewegung war, die im Kulturkampf noch die sakramentale Ehe gegen die Zivilehe verteidigen wollte, sie heute aber bereitwillig für ein Linsengericht aufgibt. Er steht für eine Verbindung von Kirche und Staat, die keinem Katholiken gefallen darf.
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