Jede Regierung produziert im Jahr Tausende von Dokumenten, die bis auf Abgeordnete, Anwälte und klagehungrige NGOs keinen interessieren. Die amerikanische Regierung beispielsweise veröffentlicht pro Jahr ca. 750.000 Dokumente, die kein Mensch auf der Welt überblicken kann und die kaum einer liest. Eines dieser Dokumente ist die National Security Strategy. Die legt jeder Präsident wenigstens einmal in seiner Amtszeit dem Kongress vor, weil er gesetzlich dazu verpflichtet ist. In diesem kurzen Dokument von ca. 50 Seiten muss der Präsident die übergeordneten nationalen Sicherheitsinteressen seiner Regierung und ihre weltweiten Ziele darlegen, mögliche Bedrohungen aufzeigen und die politisch-militärischen Mittel erklären, mit denen diese Ziele erreicht und die Bedrohungen abgewendet werden sollen.
Die erste National Security Strategy wurde 1986 von Ronald Reagan veröffentlicht, und seitdem unterzieht sich jeder amerikanische Präsident eher gelangweilt dieser Pflicht und lässt Fachleute die übliche bleierne Politprosa abfassen in der Gewissheit, dass sie keiner liest und niemand ernst nimmt. Bush Vater und Sohn, Clinton, Obama, Trump I und Joe Biden – sie alle haben eine National Security Strategy verfasst, veröffentlicht und dann vergessen. Und nie hat ein Hahn danach gekräht.
US-Präsident Donald Trump veröffentlichte seine aktuelle Sicherheitsstrategie am 8. Dezember 2025.
Bis Donald Trump am vergangenen Freitag die National Security Strategy seiner zweiten Amtszeit veröffentlichte. Wer Augen hat zu lesen, wer mit den Grundrissen der amerikanischen Außenpolitik vertraut ist, wer die ansonsten todlangweiligen und komplett unergiebigen Inhalte solch bürokratischer Exerzitien kennt, der ist schon beim Lesen der ersten Seite von Trumps neuer Security Strategy vom Stuhl gefallen. Denn: Diese National Security Strategy hat es in sich. Die ist anders als jede zuvor.
Das, was die Trump-Regierung auf 33 klaren, dichten, durchdachten Seiten hier ausführt, kann spektakulärer nicht sein. Alles das, was Trump und seine Berater, Minister und Strategen in Jahren oft nur bruchstückhaft gesagt, dunkel geraunt und in sarkastischen Sprüchen von sich gegeben haben, ist hier zu einem überzeugenden Thesenpapier geronnen, wie es in der amerikanischen Politik seit Jahrzehnten keines mehr gab.
Dieses beginnt ohne Umschweife mit zwölf übergreifenden Großzielen (What Do We Want Overall?), die sich so zusammenfassen lassen: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein souveräner Staat, der seine Bürger, sein Territorium, seine Wirtschaft und seine Kultur vor Angriffen gleich welcher Art und egal von woher schützen will. Das funktioniert nur mit einer vollständigen Kontrolle über die Staatsgrenzen, einer leistungsfähigen Infrastruktur und dem modernsten Militär der Welt, das über eine robuste atomare Abschreckung verfügt. Die materielle Grundlage dafür bildet die weltweit stärkste Wirtschaft mit einer mächtigen industriellen Basis, die auf unbegrenzter und billiger Energie aufbaut und von der innovativsten Wissenschaft und Technik der Welt angetrieben wird. Diese materiellen Großziele untermauern die amerikanischen Staaten nach außen auch durch eine starke kulturelle Ausstrahlung („Soft Power“), die ihre Werte in die ganze Welt transportiert, und nach innen durch das Wiedererstarken eines amerikanischen Geistes, der die Geschichte des Landes und seiner Helden in Ehren hält.
Donald Trump und sein Kriegsminister Pete Hegseth im Oval Office
Auf dieses alles überwölbende Mission Statement der Regierung Trump geht es nun in einem zweiten Schritt darum zu zeigen, mit welchen Mitteln diese strategischen Großziele innen- und außenpolitisch erreicht werden sollen.
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











