Sunday Times über Angela Merkel: „Die wahre Extremistin unserer Zeit“

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Sunday Times über Angela Merkel: „Die wahre Extremistin unserer Zeit“
Bildquelle: Tichys Einblick

Am Samstagabend, dem 19. September, veröffentlichte die britische Sunday Times einen Beitrag ihres Kolumnisten Matthew Syed über Angela Merkel. Der Titel lässt an Deutlichkeit wenig vermissen: „Angela Merkel was the true extremist of our age“ – Angela Merkel war die wahre Extremistin unserer Zeit. Syed nimmt die Grenzpolitik von 2015, Merkels Russlandpolitik und ihren Umgang mit der deutschen Verteidigung auseinander und kommt zu einem Urteil, das in großen Medien vor wenigen Jahren noch schwer vorstellbar gewesen wäre.

Zwölf Jahre sind vergangen, seit Tichys Einblick 2014 an den Start ging und Angela Merkels Politik von Beginn an zu einer seiner zentralen Gegenstände der Kritik machte. Die Kritik setzte vor der Migrationskrise ein. Sie richtete sich gegen den überstürzten Atomausstieg nach Fukushima und einer Energiewende, deren ins Unendliche steigende Kosten für Verbraucher und Industrie schon früh absehbar waren, gegen Euro-Rettung, EZB-Politik und die zunehmende Vergemeinschaftung finanzieller Risiken, gegen Rente mit 63, Mütterrente, Mindestlohn und Mietpreisbremse sowie gegen eine Wirtschaftspolitik, die sich aus Sicht dieser Redaktion immer weiter von den Grundsätzen der Sozialen Marktwirtschaft entfernte. Hinzu kamen Frauenquote, die schrittweise Übernahme gesellschaftspolitischer Positionen von SPD und Grünen und der damit verbundene Umbau der CDU, deren konservatives und wirtschaftsliberales Profil unter Merkel zunehmend verblasste. TE kritisierte früh einen Regierungsstil, der politische Positionen nach Mehrheitsstimmungen verschob, Konflikte durch die Übernahme gegnerischer Forderungen entschärfte und den Machterhalt zum bestimmenden Organisationsprinzip einer Kanzlerschaft machte.

Die damals herrschende Nähe weiter Teile des Journalismus zur politischen Linie der Bundesregierung ist inzwischen sogar wissenschaftlich untersucht. Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung wertete mehr als 30.000 Beiträge aus und kam 2017 zu dem Ergebnis, große Teile des Informationsjournalismus hätten die Sicht und Losungen der politischen Elite übernommen. In der erheblich derberen Polemik ließe sich derselbe Zustand deutlicher beschreiben: Große Teile des deutschen Journalismus saßen publizistisch derart tief im Enddarm des Kanzleramts, dass von kritischer Distanz kaum noch etwas zu erkennen war.

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