Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnte die Welt vor einer der gravierendsten Versorgungskrisen der vergangenen Jahrzehnte stehen. IEA-Chef Fatih Birol zeichnete am Montag im nationalen Presseklub Australiens in Sydney ein düsteres Bild der aktuellen Lage. Mit Blick auf Deutschland sagte Birol: „Die Situation wäre heute nicht so schlimm, wenn Deutschland die Kernkraftwerke noch hätte.“ Der Atomausstieg sei ein „riesiger strategischer Fehler“ gewesen.
Er beschrieb die Situation als „zwei Ölkrisen und ein Gaskollaps in einem“ und verwies damit auf die außergewöhnliche Dimension der aktuellen Entwicklungen. Während der Ölkrisen in den 1970er-Jahren seien weltweit jeweils rund fünf Millionen Barrel pro Tag weggefallen. „Bis heute haben wir 11 Millionen Barrel pro Tag verloren, also mehr als zwei große Ölschocks zusammengenommen“, erklärte Birol.
Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen am 28. Februar wurden nach Angaben der IEA mindestens 40 Energieanlagen in der Region schwer beschädigt oder zerstört. Zusätzlich sorgt die faktische Blockade der Straße von Hormus – einer der wichtigsten globalen Energietransportrouten – für erhebliche Spannungen auf den Märkten. Durch die Meerenge wird etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports abgewickelt.
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