Der Internationale Karlspreis zu Aachen ist – wie viele klangvolle Preise – ein treffliches In-sich-Geschäft. Je namhafter die Preisträger, desto bedeutsamer der Preis. Für die jeweilige Jury verringert dieses Geschäftsmodell zudem den Aufwand der Preisfindung: Man hört ein paar Tage die Abendnachrichten, und wer darin prominent vorkommt, ist ein potenzieller Anwärter. Motto: Je Großkopf desto schmückt. Und einen ganz praktischen Vorteil hat diese Methode auch noch: Man kann nichts falschmachen, muss das Vorleben von Personen des öffentlichen Lebens nicht erst mühselig auf Jugendsünden oder weltanschauliche Fehltritte durchleuchten. Ein gediegener Selbstläufer für Kuratorium, die Stadt und den Preisträger.
Es ist seit langem üblich, dass die etablierte Politik sich gegenseitig, anlass- und vor allem leistungslos Preise verleiht. Wer öffentliche Ämter ab einer gewissen Postenhöhe bekleidet ist nach einer gewissen Zeit turnusmäßig dran, wenn er sich nicht komplett danebenbenimmt. Bundesverdienstkreuze an Abgeordnete, Minister, Kanzler und höchste Landesorden gibt es gewissermaßen als glanzvolle Dreingabe zum Job dazu. Während die Ehrungen des „kleinen Mannes“ Schülerpreise, Auszeichnungen fürs Ehrenamt, Jugend forscht oder ein aufopferndes Leben als Hebamme an besondere Verdienste geknüpft sind, bekommen Staatsgäste gern mal einen Orden vom Bundespräsidenten und heute nun auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (CDU) den Karlspreis der Stadt Aachen.
Ursula von der Leyen (links), Präsidentin der Europäischen Kommission, und Sibylle Keupen, Oberbürgermeisterin von Aachen, auf dem Weg zur Verleihung des Internationalen Karlspreises
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