Zehn Jahre „Wir schaffen das“. Historische Karriere eines Drei-Worte-Satzes, der schon immer Unsinn war und nach mehr klingt, als er ist. Mit anderen Worten: Politisches Marketing vom Feinsten. Und in der Wirkung verheerend. Wir schaffen was? Warum der wohl berühmteste Satz von Kanzlerin a.D. Angela Merkel im wahrsten Sinne neben der Spur ist, ganz gleich, wie man zur Migrationspolitik steht.
Der Satz ist wohlfeil. Keine Führungskraft der Welt kann und würde eigene Entscheidungen mit (Selbst)Zweifeln am Gelingen verkaufen. Kein Trainer, kein CEO, niemand. „Wir schaffen das“ war in der berühmten Pressekonferenz nach wochenlangem Schweigen der Kanzlerin zu den Ereignissen des Migrations-Sommers 2015, die die deutsche Öffentlichkeit brutal aufwühlten, nicht mehr als Plakat-Slogan, den Politiker sagen, um über den Augenblick zu kommen. Was er bedeutet und was aus ihm folgt, wussten weder die Sprecherin noch die Zuhörer.
Der Satz ist ein Missverständnis. „Wir schaffen das“ insinuiert, dass es sich um einen konkreten Vorgang handelt, der zu bewältigen, abzuarbeiten, zu erledigen ist, und danach geht alles wieder seinen Gang. Migration, noch dazu, wenn sie in Massen, ungesteuert und dauerhaft geschieht, ist nie abgeschlossen, sondern verändert Gesellschaften dauerhaft. Die Vorstellung, eine konkrete Zahl von Zuwanderern käme nach Deutschland, wird in einer gemeinsamen Kraftanstrengung aufgenommen, betreut, versorgt, beschult, integriert, wächst organisch in die Gesellschaft ein und ist nach einiger Zeit allenfalls noch am Namen zu erkennen wie die de Maizières oder Schimanskis der alten Bundesrepublik, diese Vorstellung ist Unfug oder gar Irreführung. Was damals geschah, ist die dauerhafte Ansiedlung einer arabischen Community in Deutschland. Ob man es will oder nicht.
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