Der Wolf soll leben: Ein Biss in 28 Jahren – und ihr wollt ihn töten?

vor 3 Monaten

Der Wolf soll leben: Ein Biss in 28 Jahren – und ihr wollt ihn töten?
Bildquelle: NiUS

Ein Tier verirrt sich in eine Großstadt, handelt aus purer Panik, und die Debatte ist sofort klar: Der Wolf muss weg. Das ist nur leider weder durchdacht noch ehrlich.

Fangen wir mit dem an, was wirklich passiert ist. Ein junger Wolf, vermutlich auf der Suche nach einem eigenen Revier – so wie es die Natur seit Jahrtausenden vorsieht – gerät versehentlich in die Hamburger Innenstadt. Er läuft in eine Einkaufspassage, kommt nicht mehr heraus. Die gläsernen Automatiktüren halten ihn gefangen. Eine Frau sieht das und versucht, ihn zu befreien. In diesem Moment der totalen Überforderung beißt er sie und flieht, sodass die Polizei ihn später aus der Alster retten muss. Eine Frau, die einem gefangenen Wolf helfen wollte, wurde dabei verletzt. So lautet die Geschichte – und nicht: Raubtier jagt Mensch.

Und ja, ich sage das nicht als jemand, der den Wolf verklärt. Die Romantisierung des Wolfes nervt mich genauso. Wer aus sicherem Abstand schwärmt, während Schäfer morgens tote Tiere auf ihrer Weide finden, macht es sich zu leicht. Das sind Existenzen, reale wirtschaftliche Verluste und natürlich auch emotionale Belastungen. Ein Pferdebesitzer, der morgens sein Pferd gerissen auf der Weide findet, ein Schäfer, der zum dritten Mal in einem Monat ein gerissenes Tier findet: Sie alle verdienen keine Relativierung, sondern Antworten. Darüber muss man sprechen. Unbedingt.

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