Der Blick der Wirtschaft: Droht der Zusammenbruch unseres Geldsystems?

vor etwa 1 Jahr

Der Blick der Wirtschaft: Droht der Zusammenbruch unseres Geldsystems?
Bildquelle: NiUS

Es sind düstere Vorzeichen, die sich derzeit an den weltweiten Finanzmärkten zeigen, schreibt der Generalsekretär des CDU-nahen Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger, in seiner neuen Kolumne.

„Die geopolitische Ordnung ist im Umbruch – und mit ihr das Fundament des globalen Geldsystems. Fast täglich beobachten wir neue Symptome, die in erschreckender Eindeutigkeit dafür sprechen, dass etwas Grundsätzliches ins Wanken gerät, das weit über die viel diskutierte Zoll- und Handelspolitik hinausgeht: Mit Moody’s entzog nun auch die letzten der drei großen Ratingagenturen den Vereinigten Staaten ihr Triple-A-Spitzenrating und stufte die Kreditwürdigkeit herab. Zentralbanken kaufen Gold auf Rekordniveau. Anleiheauktionen in Japan und den Vereinigten Staaten verlaufen außergewöhnlich enttäuschend und wir beobachten einen besorgniserregenden Anstieg der Renditen für langfristige Staatsanleihen. Wenn Anleiheauktionen schlecht verlaufen, ist das ein Alarmsignal dafür, dass die Anleger verunsichert sind – etwa wegen nicht nachhaltiger Staatsschulden, hoher Inflationserwartungen oder beidem. Sie verlangen höhere Zinssätze, um diese Risiken auszugleichen. Höhere Zinssätze fressen sich dann durch das gesamte Finanzsystem. Ray Dalio, einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Investmentwelt, bringt die Entwicklungen auf den Punkt: ‚Ich bin besorgt über etwas Schlimmeres als eine Rezession. Wir haben etwas, das noch viel tiefgreifender ist, wir haben einen Zusammenbruch der monetären Ordnung.‘“

Europa reagiert wieder einmal mit völlig unrealistischem Wunschdenken, so Steiger, und vermutet im Hintergrund einen neuen Anlauf für Gemeinschaftsschulden (Eurobonds). „China arbeitet mit dem digitalen Yuan oder Projekten wie mBridge bereits seit geraumer Zeit daran, den internationalen Zahlungsverkehr direkter und unabhängiger vom Dollar zu gestalten. Nun reagiert auch Europa mit überraschend kühnen Aussagen auf die Entwicklungen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hält die erratische Politik Donald Trumps für ‚eine hervorragende Gelegenheit‘, um die globale Bedeutung des Euro zu stärken. Grundsätzlich ist sicher alles, was die europäische Resilienz stärkt und Wachstumskräfte freisetzt, zu begrüßen. Es gibt ohne Frage auch geeignete Maßnahmen, um die Verlässlichkeit des Währungsraums herauszustellen. Doch die Schritte dahin sind mühsam, kleinteilig und langwierig. An vielen notwendigen Punkten – wie etwa die Schaffung eines einheitlichen europäischen Kapitalmarkts – arbeitet sich Europa seit Jahren vergeblich ab.

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