Angela Merkel hat der Neue Osnabrücker Zeitung ein Interview gegeben. Was sollte die Polit-Pensionärin auch sonst tun? Die Autohagiographie ist geschrieben, kräftig Geld wurde verdient, wohl bevor noch ein farbloser Satz sich an den anderen reihte und die deutsche Syntax zum Experimentierfeld für Semantik-Ausdünnung wurde. Da alle Sätze den gleichen Inhalt haben, hätte im Grund ein einziger zweigliedriger Satz genügt: Ich bin die Allerbeste und ich habe alles richtig gemacht.
Lustig ist, dass Angela Merkel immer noch um ihren Platz in der Geschichte ringt, wo die Geschichte sie doch längst abgeschrieben hat. Die Fußnote auf den schlechten Seiten Deutschlands hat sie sich redlich verdient. Dass sie in die Geschichte eingehen wird, verdankt sie einzig und allein der Tatsache, dass sie vier Sargnägel für Deutschland, wie ich in meiner kritischen Biographie belegt darstelle, eingeschlagen hat, und zwar erstens die sogenannte Energiewende, die in die Habeck-Deindustrialisierung führt.
Laut Interview bedauert sie, was auch Robert Habeck so sehr bedauert, dass er es ihr vorwirft, dass sie nicht so konsequent und so effizient in der Zerstörung der deutschen Wirtschaft war wie der Northvolt-Connaisseur im BMWK: „Dennoch muss ich bedauernd zur Kenntnis nehmen, dass wir in meiner Amtszeit unter dem geblieben sind, was in der Sache nach dem Vorsorgeprinzip notwendig gewesen wäre.“ Auch Erich Honecker konnte den Kommunismus nicht mehr errichten. Doch auf die wesentlichen Zerstörungs-Ideen erhebt Merkel das Copyright: „Erstmal muss man sagen, es gibt kein Heizungsgesetz, es gibt nur ein Gebäude-Energie-Gesetz. Dieses Gesetz ist schon während der großen Koalition in meiner letzten Amtsperiode ausgearbeitet worden.“ Darauf ist sie auch noch stolz. Die Idee der Erstürmung der Heizungskeller der Bürger stammt von Merkel, deren Vorstellung vom Durchregieren in der Pandemie-Zeit ihren reinsten Ausdruck fand, in der sie das Schüren von Ängsten, Angstkommunikation als Mittel der Politik profilierte, um Folgebereitschaft der Untertanen herzustellen. „Diskussionsorgien“ widerten sie an und demokratische Wahlen hielt sie für „unverzeihlich“, die zudem dringend rückgängig gemacht werden mussten, wenn sie den Machterhalt der postdemokratischen, dysfunktionalen Eliten gefährdeten. Nicht sie diente der Demokratie, sondern, wie es Konsens unter den dysfunktionalen Eliten ist, die Demokratie hatte ihr zu dienen. Merkel war und ist der Fall Grün für die Demokratie, eine Postdemokratin reinsten Wassers, der genau das in ihrer viel zu langen Kanzlerschaft gelang, die Demokratie in der Postdemokratie aufzulösen. Schließlich geht es um den Sozialismus, um die „entwickelte sozialistische Gesellschaft, die man jetzt zeitgeistig „klimaneutrale Gesellschaft“ nennt. „Ich bin der Überzeugung, dass wir unser Gesamtziel, in Europa 2050 klimaneutral zu sein, erreichen müssen, um wenigstens auf europäischer Seite einen Beitrag dazu zu leisten, dass der Klimawandel nicht noch schlimmere Auswirkungen hat.“ Diese Argumentation hat so in etwa das Niveau des Hexenhammers in der frühen Neuzeit. Es geht nicht ums Klima, es geht um die Herrschaft eines Klüngels, dessen Legitimation auf ideologisch basierter Apokalyptik beruht.
Reformwille - Welche Opfer müssen wir für den Aufschwung bringen? | #unterdenlinden











