Als Schnellschütze ist Kai Wegner nun wirklich nicht bekannt. Doch diesmal reagiert der Regierende Bürgermeister von Berlin sofort.
Am Vormittag des 14. November 2025 berichtet Hudhaifa Al-Mashhadani, der Leiter der deutsch-arabischen Ibn-Khaldun-Schule im berüchtigten Bezirk Neukölln, auf seiner Facebook-Seite über einen Mordanschlag. Ein Unbekannter mit einem roten Palästinensertuch habe versucht, ihn vor eine einfahrende U-Bahn zu stoßen. Das klappte nicht. Deshalb habe der Angreifer dann auf ihn eingeschlagen. Als Al-Mashhadani in einen Waggon geflohen sei, habe der Mann noch Todesdrohungen ausgestoßen.
Noch am selben Abend springt der Regierende Bürgermeister und CDU-Landesvorsitzende dem selbsternannten Beinahe-Opfer zur Seite:
Für Wegner-Verhältnisse ist das ultra-schnell. Nach dem linksextremistischen Anschlag auf die Stromversorgung der Hauptstadt Anfang dieses Jahres brauchte der Stadtvater bekanntlich volle zwei Tage, um frierende Bürger in einer Notunterkunft zu besuchen. Zwischendurch, man erinnert sich, hatte er noch ein bisschen Tennis mit seiner Geliebten gespielt.
Diesmal reagiert Wegner schneller. Das hätte er wohl besser nicht getan.
Denn die Ermittlungen zeigen: Es war alles ganz anders.
Der Fall wird zunächst vom Staatsschutz beim Landeskriminalamt (LKA) untersucht. Dort geht man davon aus, dass die Sache mit dem religiösen Profil von Al-Mashhadani zu tun hat. Der Mann inszeniert sich seit längerem überaus publikumswirksam als muslimischer Kämpfer gegen Islamismus und Antisemitismus.
Schon kurz nach dem angeblichen Angriff sichern die Ermittler die Videoaufnahmen der Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG) vom U-Bahnhof Rathaus Neukölln, wo alles passiert sein soll. Ungefähr genauso schnell gibt es intern erhebliche Zweifel an der Darstellung von Al-Mashhadani.
Denn das Video erzählt eine ganz andere Geschichte. Eine, in der nie ein Mordversuch stattgefunden hat.
Al-Mashhadani hatte der Polizei geschildert, er sei plötzlich von hinten heftig gestoßen worden – genau in dem Moment, als eine U-Bahn in den Bahnhof einfuhr. Die Kamerabilder zeigen etwas völlig anderes. Al-Mashhadani läuft auf den längst eingefahrenen und zum Stillstand gekommenen Zug zu. In der einen Hand hält er einen Kaffeebecher, in der anderen Hand sein Smartphone. Er kratzt sich kurz im Gesicht und blickt über den Bahnsteig. Dann steigt er durch die Tür hinter dem Fahrerstand in den vordersten Wagen.
Kurz darauf geht ein anderer Mann an der Tür vorbei. Er trägt eine helle Hose, einen dunklen Mantel und eine Umhängetasche. Weit und breit ist kein rotes Palästinensertuch zu sehen. Im Vorbeigehen tippt der Mann Al-Mashhadani leicht an. Anschließend zeigt er zunächst mit zwei Fingern auf seine Augen und dann mit einem Finger auf Al-Mashhadani. Es ist die typische Geste für „Ich habe dich gesehen“ oder „Ich habe dich im Blick“.
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