Es ist immer wieder erfrischend, zu sehen, wie die ARD sich die Welt mithilfe von Gebührengeldern zurechtbiegt. Jüngstes Beispiel: die sechsteilige Dramedy „Selling Sex“, eine Serie über eine Wirtschaftsstudentin, die aus Geldnot ins Escort-Dasein abgleitet. Umgedeutet wird das von den Öffentlich-Rechtlichen aber zu einem Stück über Empowerment, einer Welt, in der die Frauen Kapital aus ihrem Körper und einsamen Männern schlagen.
Von den Medien wird „Selling Sex“ verrissen. Der Spiegel schreibt: „Diese Serie funktioniert wie eine Anleitung zur Prostitution.“
Nelly, 25, ist hoch verschuldet, jobbt nebenher auf Messen und wird in allerlei unbezahlten Praktika in der Finanzbranche ausgebeutet. Und da denkt sich die hübsche Blondine, die an die junge Kate Winslet erinnert: Dreh ich den Spieß doch einfach um. Als „radikalen Strategiewechsel“ verkauft sie ihren Wechsel in die Escort-Tätigkeit, inspiriert von einer Kollegin. Versteht man, wie dieser Entschluss reift, wie sie mehrmals an einer Weggabelung steht und sich immer zielstrebig für den nackteren Weg entscheidet? Nein.
Stattdessen ist Nelly, zack, plötzlich Escort, füllt Fragebogen über Sexpraktiken aus und träumt von ordentlich Cäsh inne Täsch – dafür nutzt sie ihr erworbenes Knowhow aus der Finanzwelt. Aus der bezahlten Sexgespielin wird, so schreibt die Süddeutsche Zeitung, „Girlboss-Business mit Champagnerkühler“.
Während viele Zuschauer mit Sabber vorm Screen sitzen, beeilen sich die drei Macherinnen jedoch, zu versichern, es gehe um Selbstbestimmung in der Sexarbeit. Miriam Dehne, Hannah Schopf und Marie C. König, die selbst zehn Jahre lang im Escort-Gewerbe tätig war, wollen laut eigener Aussage „Klischees überhöhen, um sie zu brechen“.
Da ist er wieder, der Holzhammer-Feminismus – wir sind schließlich bei der ARD. Klar, dass Nelly (deren Freundeskreis aussieht wie aus einer Diversity-Kampagne) in ihrer neuen Welt nicht nur auf Frauen trifft, sondern auch auf einen supersweeten, gefühligen Callboy namens Ben (Malik Blumenthal). Klar, zwei normale Leute in normalen Jobs – der eine hat Feierabend, die andere Freierabend. In Deutschland ist Prostitution übrigens seit 2002 legal. Seit knapp einem Jahrzehnt ist sie durch Kondompflicht (die oft umgangen wird), Anmeldepflicht, Betriebserlaubnis und Gesundheitsberatung reguliert. Vor der Nummer kommt die Steuernummer.
Nellys bunter Freundeskreis aus Autoren, Designerinnen und Drags
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