Fehler? Welche Fehler? Für Gespräche mit Angela Merkel braucht man eine komplizierte Entschlüsselungstechnik. Die offizielle Buchpremiere ihrer Erinnerungen („Freiheit“, Kiepenheuer & Witsch) im Deutschen Theater machte da keine Ausnahme. Drei Jahre ist Merkel nun nicht mehr im Amt, und es war doch wieder alles wie früher: Anne Will befragte die Kanzlerin, die Kanzlerin zog ihre rhetorischen Kreise und ließ die vom politischen Dachboden geholten und eigens entstaubten Dechiffriermaschinen wieder einmal heißlaufen.
Merkels Markenzeichen: Nicht die Antworten sind interessant, sondern wie sie etwas sagt und was sie nicht sagt. Man habe den Eindruck, sagt Moderatorin Anne Will zum Ende des Gesprächs, dass die Kanzlerin a.D. kleine Pannen zugebe, zu den großen Fehlern aber schweige. Das sieht Merkel naturgemäß nicht so. „Es ist mir ja nicht gelungen, mit demokratischen Mitteln zu einem guten Klimaschutz zu kommen“, sagt sie.
Die Wahrheit ist, dass Merkel – richtigerweise – immer klar war, dass Klimaschutz nur solange populär ist, wie er nichts kostet und niemandem etwas abverlangt. Danach richtete sie ihre Politik aus. Man muss Moderatorin Anne Will zugutehalten, dass sie im Vergleich zu ihrer TV-Nachfolgerin Caren Miosga durchaus auch kritische Fragen stellt und Merkel etwa mit den bitteren Vorwürfen des ukrainischen Präsidenten Selenskyj nach dem russischen Massaker von Butscha im März 2022 konfrontiert. Der ganze Komplex der Russland-Politik von Merkel steckt voller Widersprüche, die in der verwinkelten Rhetorik der Ex-Regentin untergehen.
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