Der Fall Ulmen/Fernandes, der eigentlich nur ein peinlicher Rosenkrieg zwischen zwei einigermaßen entgrenzten Selbstdarstellen hätte bleiben sollen, schlägt hohe gesellschaftliche und politische Wellen. Wenig überraschend, dass die üblichen Verdächtigen auch hier ihre Chance gekommen sahen, zu zahlreichen, schon zur reflexhaften Gewohnheit mutierten „Spontan“-Demonstrationen aufzurufen. Noch weniger überraschend, wie viele diesem Ruf ein weiteres mal bereitwillig folgten, um gratismutig ihrer Solidarität Ausdruck zu verleihen und bei der Gelegenheit auch noch „Nazis raus!“ zu rufen, wenn man denn schon mal da ist.
Für den zunehmend fassungslosen Betrachter immerhin amüsanter Nebeneffekt war dabei ein Phänomen, welches sich schon bei der Black Lives Matter- Bewegung emergent herausbildete: während sich dort weiße Menschen ihrer Privilegien schämten und Schwarzen servil die Füße küssten, zeigten Männer auf den jüngsten Demonstrationen nicht weniger hündische Unterwerfungsgesten und bezichtigten sich gegenseitig der Täterschaft.
Welche sich schon allein daraus konstituiert, mit dem falschen Chromosomensatz das Licht dieser immer verrückter werdenden Welt erblickt zu haben. Ob nun ausgerechnet auf derartigen Veranstaltungen überproportional viele Männer anwesend sind, die zwar auf jedem Weg mit ihrem Lastenrad mehr Schutzkleidung tragen als ein Spaceshuttle-Pilot, aber dennoch einen Hang zu schweren Sexualstraftaten und Gewaltverbrechen haben, lassen wir jetzt mal dahingestellt.
Einziger Lichtblick bei diesem Schaulaufen der Selbstgerechten, Flagellanten und Berufsempörten war der Hamburger DJ und Produzent Jan Leyk, der ein Pappschild mit der Aufschrift „Wo wart ihr – bei Ece S., Ann-Marie K., Aileen, Leonie- und all den anderen?“ durch die sich indigniert abwendende Menge trug. Eine so simple wie berechtigte Frage, legt sie doch mit chirurgischer Präzision den Finger in die klaffende Wunde der scheinheiligen Betroffenheit und offenkundigen Doppelmoral.
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