Werden systemische Fehler im Rahmen der Schuldsuche ignoriert? Der Tod einer 83-jährigen Frau infolge des Stromausfalls in Berlin ist kein tragischer Einzelfall. Er offenbart, wie fragil staatliche Schutzmechanismen geworden sind – und wie reflexhaft die öffentliche Debatte Schuld sucht, statt strukturelle Verantwortung zu benennen.
Jeder kennt es noch aus der Schule: Die Aufgaben des Staates sind mannigfaltig. Doch die Macht des Staates sollte seinem Volk dienen – insbesondere in einer Demokratie. Diese grundlegende Idee geht unter anderem auf John Locke zurück, einen englischen Philosophen aus dem 17. Jahrhundert. Er war einer der ersten Denker, die festhielten, dass der Staat vor allem eine Aufgabe hat: das Leben, die Freiheit und das Eigentum der Menschen zu schützen. Eigentlich sollte man meinen, dass diese Prinzipien heute selbstverständlich sind und fest zu unserer Gesellschaft gehören.
Umso verwunderlicher erscheint jedoch die Deutung der jüngsten Ereignisse in Berlin. Der tragische Todesfall einer 83-jährigen Frau infolge des Stromausfalls erschüttert die Öffentlichkeit. Er ist eine Warnung an uns alle. Eine Warnung, dass der Staat eben nicht in der Lage ist, seine Bürgerinnen und Bürger im Katastrophenfall zu schützen. Und doch wird die Schuldfrage in einer fragwürdigen, beinahe schon absurden Weise in Traditionsmedien diskutiert: Es wird die Frage aufgeworfen, ob nicht ein Krankenhaus für diesen Todesfall verantwortlich sei.
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