Welcher Sozialismus ist denn der Richtige, Frau Reichinnek?

vor 10 Monaten

Welcher Sozialismus ist denn der Richtige, Frau Reichinnek?
Bildquelle: Tichys Einblick

In Fragen des Marketings ist Heidi Reichinnek einsame Spitze, sie würde auch einen Gulag noch wie ein Pionierferienlager aussehen lassen. Intellektuell oder inhaltlich ist sie eher „Migräne“ als Dauerzustand. Sie überzeugt nicht, aber sie ist dreist in der Verteidigung des ersten Signalsystems. In ihrem Stern-Interview gab sie Kostproben ihres Matcha-Latte-Kommunismus und trällerte dabei munter „Wacht auf, Tätowierte dieser Erde“ als Rap vor sich hin. Klassenkampf macht einfach Spaß, vor allem, wenn hohle Sprüche genügen, weil man ohnehin nicht die Handwerker, die Arbeiter, die Angestellten erreichen will und kann, sondern das NGO-Proletariat und das Uni-Prekariat in den Innenstädten, nicht so sehr in den Studiengängen der Naturwissenschaften oder der Medizin, sondern mehr so die, die so irgendetwas mit Kommunikation oder Kultur- und Sozialwissenschaften oder Gender machen.

Früher, als die Linken noch über marxistisches Wissen verfügten, hätte die Genossin Heidi Reichinnek aus Mitleid ein Bier spendiert bekommen, wenn sie allen Ernstes meint: „Wir wollen das Wirtschaftssystem ändern, nicht das politische System umstürzen.“ Na gut, sie bemüht sich halt, hätten die marxistisch auch nur halbwegs gebildeten Genossen mit ein wenig Resignation in der Stimme gestöhnt. Gut marxistisch könnte man die Genossin natürlich fragen, ob sie schon einmal etwas von der Dialektik von Basis und Überbau in der Gesellschaft gehört hat, ob ihr der Begriff Produktionsweise auch nur irgendetwas sagt, die, wie man weiß, auf den Produktivkräften und Produktionsverhältnissen einer Gesellschaft beruhen, zu den übrigens auch die Eigentums- und Machtverhältnisse zählen.

Wichtiges Element der Wirtschaft, der Produktionsverhältnisse, sind die Eigentumsverhältnisse. Reichinnek behauptet in ihrem Tiktok-Populismus der Ahnungslosigkeit, dass der Kapitalismus nicht vom Grundgesetz geschützt sei, aber laut Artikel 14 ist das Eigentum geschützt, und bestimmte Eigentumsverhältnisse bedingen bestimmte Produktionsverhältnisse und mithin bestimmte Produktionsweisen. Wenn man als Kommunist oder als „Linker“ vom Kapital spricht, sollte man zuvor „Das Kapital“ von Karl Marx gelesen haben. Lassen wir die Phrase vom „demokratischen Sozialismus“ mal beiseite, der eine contradictio in adjecto darstellt. Demokratisch wäre, die Wähler zu überzeugen im Wettstreit der Ideen, nicht, den politischen Gegner, den Rechten, den Klassenfeind des passiven Wahlrechts zu berauben, weil man im Wettbewerb nicht gewinnt. Sozialismus geht nicht demokratisch, sondern letztlich nur über Diktatur.

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