Grenzen dichtmachen, Schluss mit Waffenlieferungen, Extremisten sitzen in der Bundesregierung: Beim Streitgespräch zwischen BSW-Chefin Sahra Wagenknecht und AfD-Chefin Alice Weidel auf „Welt“-TV bekam niemand etwas geschenkt. Die Bundesregierung am wenigsten, aber auch die beiden Vorsitzenden gewährten einander kein Pardon.
Das Duell der Zertrümmer-Frauen!
Weidel und Wagenknecht repräsentieren die derzeit erfolgreichsten Neustart-Parteien, die extremsten Flügel jener Angriffszange gegen das etablierte Parteiensystem, die heftigste Anti-Establishment-Front, die gemeinsam zwischen 35 und 50 Prozent der Stimmen aufbringen können. Zwei Frauen, die gleichermaßen Härte ausstrahlen und eine seltsam kühle Form der Undurchschaubarkeit.
Selten ist in Deutschland in jüngster Zeit so klar, schnörkellos und hart politisch gestritten worden. In einem Land, in dem Probleme zu „Herausforderungen“ werden und die Verursacher mit schöner Regelmäßigkeit vor dem „Blick zurück“ warnen, in einer Zeit, in der wabernde „Zukunftsfähigkeit“ und planwirtschaftliche „Transformation“ beschworen werden, lieferte dieses Streitgespräch der beiden Oppositionsfrauen eine kaum noch bekannte Starkstrom-Dosis politischer Debatte. Streit, der klärt und erklärt.
Weidel, im dunklen Kostüm, lächelnd mit Perlenkette. Wagenknecht in Hellgrün, unnahbar. Erst nach und nach dringt die Anspannung beider durch die feinen Risse der gehärteten Fassade. Das Gespräch, eine seltsame Mischung aus oppositioneller Allianz und pflichtschuldiger Attacke für das eigene Lager. „Es ist wichtig, miteinander zu sprechen“, steigt Weidel versöhnlich ein. Der gemeinsame Gegner der „Altparteien“ als Brücke zwischen Links-BSW und Rechts-AfD? Doch daraus wird nichts.
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