Wenn es in der eigenen kleinen Welt schrecklich, düster und trostlos ist, dann flüchten sich Kinder in Fantasiewelten. Sie haben imaginäre Freunde, verfügen über Superkräfte, sind überall beliebt. Das spendet Trost, gibt ihnen Kraft. Es heilt die zarte Kindeseele.
Friedrich Merz müsste inzwischen sehr viel Kraft getankt haben, wenn man sich anschaut, wie er sich im Ausland inszeniert und aus Deutschland wegträumt. Weil NIUS stets der Hochkultur eine stabile Stütze ist, widmen wir uns dem indischen Sprichwort „nāch na jāne, āṅgan ṭeṛhā“, weil es so schön passt: „Wer nicht tanzen kann, sagt, der Hof sei schief“. Umgangssprachlich: „Wer unfähig ist, sucht Ausreden.“ Oder: „Wer zu Hause Ärger hat, sucht das Weite und holt sich einen roten Teppich mit Militärkapelle im Ausland.“ Das war unter Merkel so – und ist unter Merz auch nicht anders. Allerdings war das Musikrepertoire für deutsche Kanzler mal abwechslungsreicher: Bei Konrad Adenauers Besuch in den USA spielte die Kapelle (mangels westdeutscher Nationalhymne 1953) den Karnevalsschlager „Heidewitzka Herr Kapitän“. Merz muss sich mit der indischen Coverversion des „Deutschlandliedes“ aus dem Jahr 1797 begnügen, das von Joseph Haydn ursprünglich mal als Kaiserhymne gestartet war und nun als Musikuntermalung von Friedrich Merz endet. Früher war mehr Lametta.
Der Kanzler bei seiner Ankunft in Indien
Während Merz vor Ort die Abkommen unterschreibt, die im Vorfeld solcher Staatsbesuche ohnehin bereits ausgehandelt wurden, gehen zu Hause im deutschen Mittelstand Strom und Licht aus. Gewissermaßen der wirtschaftliche „Kai Wegner-Blackout für alle“. Dieses Jahr werden viele Betroffene mit Übergangsgeld, Auffanggesellschaften und Weiterbildungsmaßnahmen über die Runden kommen – der gesellschaftliche Kassensturz kommt bei uns erst 2027, wenn die Auswirkungen durchschlagen. Wirtschaftsministerin Reiche präsentiert in ihren Papieren den Untergang des Chemiestandortes Deutschland – während in Indien der Wert der Chemieindustrie bei 220 Milliarden US-Dollar liegt und jährlich um 9 bis 12 Prozent wächst. Chemie und Pharma machen in Deutschland 225 Milliarden Euro aus. Die Linien von Ab und Auf werden sich kreuzen. Der nächste Dritte-Welt-Besuch findet dann in Deutschland statt, wenn Indiens Premierminister Berlin besucht.
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











