Wer in den vergangenen Jahren als Blogger, Podcaster oder YouTuber außerhalb des publizistischen Mainstreams gearbeitet hat, kennt das Muster ebenso wie die Millionen Zuschauer kritischer Kanäle: Videos fangen an gut zu laufen und werden rege geklickt, dann sinkt urplötzlich die Reichweite bis das Video über Nacht plötzlich nicht mehr aufgefunden werden kann: es wurde ganz gelöscht. Vielleicht kündigt dann auch noch PayPal das Konto, gerne mit Verweis auf irgendwelche Nutzungsrichtlinien, manchmal ohne jede Begründung. Eine Bank schließt das Geschäftskonto. Eine Werbepartnerschaft platzt, kurz nachdem ein Artikel über den betreffenden Kanal in einer großen Zeitung erschienen ist. Viele kritische Kanäle wurden mit ihren teils Hunderttausenden Abonnenten bereits ganz geschlossen und ihre Besitzer damit von den Plattformen verbannt.
Solche Erfahrungen sind in den letzten Jahren wiederholt öffentlich geworden. Ich erzähle das nicht, um zu klagen. Ich erzähle es, weil es die Ausgangslage beschreibt, in der wir die Unwoked GmbH gegründet haben.
Das eigentliche Problem ist betriebswirtschaftlicher Natur. Das Geschäftsmodell der meisten Creator hat eine Schwachstelle, die in guten Zeiten nicht auffällt und in schlechten alles entscheidet: Reichweite, Bezahlung und Auszahlung hängen an wenigen, zentralen Dienstleistern. Wer auf YouTube veröffentlicht, lebt von den Monetarisierungsregeln dieses einen Konzerns. Wer über Werbenetzwerke vermarktet wird, lebt von deren Geschäftsdefinitionen und Algorithmen. Wer Spenden über einen Zahlungsdienstleister einsammelt, lebt von dessen Geschäftspolitik. Jeder vernünftige Unternehmensberater würde einem mittelständischen Unternehmen abraten, mehr als 2/3 seines Umsatzes über einen einzigen Vertriebskanal abzuwickeln. Bei vielen Influencern ist das aber die Regel.
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